Mit dem Rad zum Eiffelturm
1.206 km, 6.428 Hm
14.05.2026 - 28.05.2026
Gefahrene km (gesamt): 1.206,9
Höhenmeter (gesamt): 6.428
Durchschnitt exkl. Pausen: 17,7 km/h
Durchschnitt Etappe: 86,2 km
Zeit im Sattel: 68,0 Stunden
Speichenbrüche: 2
Reifenpannen: 0
Bananen-Zähler: 8
Verschluckte Insekten: 1
Umgefallene Beifahrer: 1*
* Aufgrund berechtigter Kommentare ist die Zählweise zu klären: Es zählen nur umgefallene Beifahrer, wenn sie sich beim Anhalten nicht mehr daran erinnert haben, dass sie in die Pedale eingeklickt waren. Grobe Ausrutscher zählen nicht.
Von Compiègne nach Paris, 100 km, 643 Hm
Autor: Simon
La Grande Finale
Wie findet man nur den richtigen Anfang für das richtige Ende dieser Reise? Unmöglich.
Kaum zu glauben, aber wir sind in Paris angekommen. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als wir vor 14 Tagen vom Dom losgefahren sind. Was folgte, waren 14 Tage voller unzähliger Erlebnisse, Eindrücke, Landschaftswechsel, Sprachwechsel, Abbruch und Mordgedanken, Spaß, Sonne, Regen, Wind, morgendliche Geschmacksverirrungen und verdammt nochmal 1.200 Kilometer Strecke. Alles per Fahrrad und eigener Muskel- und Willenskraft. Alles nur, um 200 € teure Spritkosten einzusparen...
Der letzte Tag, in der Ferienwohnung von Frederique, aufgewacht und ein nettes Pläuschen auf Englisch beim Frühstücken gehalten. Natürlich mit frischem, krossen Baguette und zarten Croissants. Zudem Feeling so als ob man von Muttern losfährt. Irgendwie war die Stimmung von uns von Anfang an etwas anders. Teils Euphorie, teils Erleichterung über das vorerst letzte Mal Radfahren, teils gedrückt, da die letzte Etappe noch ein ganzes Stück harte Beinarbeit werden würde bei der Sonne, den Hügeln und den letzten 100 km. Also nochmal alles geben. Das sagten auch unzählige unserer Kontakte zu uns, bevor wir die Füße auf den Pedalen hatten. Ein wahres Mitfiebern von allen Seiten für den heutigen Tag, viele verfolgten heute besonders unseren Livestandort auf der Karte.
Wir kamen vor der eigentlichen Mittagshitze gut und zügig voran. Ganze 40 km, in unter 2 Stunden, auf Straßen, Radwegen, Hügeln (14 % Steigung). Vorbei an Seen und endlich auch mal Wälder, bevor wir beide eine Trinkpause einlegten. So manche Stadt-Szenerie brachte uns gleichzeitig das Feeling, als ob wir plötzlich in der Toskana oder am Mittelmeer wären. War vielleicht auch der Hitze geschuldet. Beim Halt entdeckten wir, dass unser einziges Zwischenziel nahe war. Und durch die Bäume erhaschten wir einen königlichen Anblick. Ein wahrhaftes Schloss mit Schlossgarten und eigener Pferderennbahn nahe Chantilly, ein kleiner Eindruck, wie die französischen Könige gelebt haben. Auf jeden Fall nicht schlecht. Hier gönnten wir uns auch ein Eis vom nahegelegenen Eiswagen, eine Wohltat für unsere Körper und Seelen. Uns reichte der Anblick der Anlage schon von außen. Hier könnte man sicherlich den ganzen Tag verbringen. Ein Punkt für die Bucketliste für die nächste Frankreichreise.
Wir kämpften uns weiter gegen die Hitze und Ermüdung in unseren Beinen voran Richtung Paris. Manchmal glaubten wir auch schon, die Spitze des Eiffelturms über die letzten Hügel ragen zu sehen. Einige Vorstädte später, fuhren wir dann schon an der Seine entlang. Aufregung machte sich breit, die letzten Kilometer, jeden Moment sollten wir unser Ziel sehen. Der Straßenverkehr in Paris ist anders. Ampeln sind für Zweiräder wohl eher als Vorschläge zu betrachten, lernten wir schnell von den Bewohnern. Es wird keiner angefahren, es wird geschaut, aber sobald frei ist wird gefahren, was das Zeug hält. So schlängelten wir uns voller Adrenalin durch den Berufsverkehr zur Innenstadt. Da war es, das Paris, das man kennt. Jens knipste so viel er konnte. Überall war etwas Imposantes zu sehen. Über heiße Brücken, deren Teer in der Hitze schon die Reifen- und Schuhprofile wiedergab. Weiter frei Schnauze Richtung Wahrzeichen. Dieses ist quasi von überall zu sehen. Die letzte Straße und da war der Park der zu den Füßen des Turms gehört. Da war der Turm, das Ende unserer Strecke. Überall Leute, überall Touristen, überall schwer bewaffnete Soldaten die das Wahrzeichen der Stadt umkreisten. Vor 20 Jahren konnte ich noch unter dem Turm durch. Heutzutage ist er hermetisch abgeriegelt wie bei der Flughafensicherheit. Dennoch näherten wir uns an und suchten einen schönen Fotowinkel aus, der noch frei war. Ende der Etappe, Ende der Reise, Ende der Anstrengung. Ein letztes High Five, ein Siegerfoto. Welch ein Anblick. Auch der Eiffelturm war imposant anzusehen. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen, um diesen Moment und die Atmosphäre gebührend auf uns wirken zu lassen. Die ersten Glückwünsche trudelten ein, Sandra wurde live dazu geschalten. Erschöpft aber glücklich, machten wir uns dann nochmal auf per Rad zu unserem Hotel. Von dem der Resturlaub stattfinden soll. Ganz in Ruhe, soweit das in Paris möglich ist. Wir aßen noch im Hoteleigenen Restaurant Fireho, was seinem Name später noch gerecht werden sollte. Ein Feueralarm im Hotel! Und wir im 8. Stock! Schnell die Notfalltreppe runter zum Sammelpunkt. Auf jedem Hotelgastgesicht das gleiche, Unsicherheit und Verwirrung. Von Außen war nichts zu sehen. Irgendwann hörte der Alarm auf und beim Lobbyeingang verkündete das Personal, dass irgendein Idiot (Sinngemäß) sich im Hotelzimmer ne Zigarette angemacht habe und dadurch der Alarm ausgelöst wurde. Was für ein aufregender Tag.
Hiermit geht der Reisebericht zu Ende. Wir bedanken uns für all die ganze Motivation, Begeisterung und Mitfiebern von der Heimatfront. Wir versuchen nun irgendwie, die Stadt in den nächsten 3 Tage noch "spontan" zu sehen. Die Rückfahrt nach Hause werden wir am Samstagabend per FlixBus antreten. Jens denkt sicherlich schon über die nächste Radtour nach.
Auch ich (Jens) möchte mich an dieser Stelle noch einmal kurz zu Wort melden und mich bei allen Unterstützern der Tour ganz herzlich bedanken. Sandra, Eltern, Ina + Familie für die Beherbergung, Freunde, Arbeitskollegen. Jedes Telefonat, jede Nachricht, jedes Kudo und jedes Like haben uns motiviert und einige Zweifel weggefegt. DANKE!
Last but not Least, Danke Simon, dass du mit mir diese Reise gemeinsam bestritten hast. Ich bin mir nicht sicher, ob deine anfangs und während der Tour geäußerten Zweifel immer ganz ernst zu nehmen waren. Ich wusste spätestens nach den ersten gemeinsamen Trainingsrunden durch den Harz, dass wir das schaffen werden, ganz ohne Zweifel! Hut ab auf alle Fälle für deine Leistung, das ist nicht selbstverständlich und etwas Besonderes auch für mich.
Von Saint-Quentin nach Compiègne, 81 km, 398 Hm
Autor: Jens
Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht im kleinsten Hotelzimmer unserer bisherigen Reise ging es nach einem guten Frühstück pünktlich raus auf die Piste. Zwar waren die Temperaturen angenehm, doch der feldwegartige Weg neben dem Kanal erschien mir unter der Tatsache, dass wir beide mit je n-1 Speichen im Hinterrad fuhren, etwas besorgniserregend. Also bei jedem Schlagloch raus aus dem Sattel, um die Last bestmöglich zu reduzieren.
Leichter Rückenwind war vorhergesagt und meiner Auffassung nach hatten wir den auch. Normalerweise nutze ich immer die rotierenden Windräder, um die These bestätigen zu lassen. Scheinbar reichte aber die Energie der Solaranlagen schon aus, um die Propeller aus dem Wind zu drehen. Komplette Windparks standen still. Und so radelten wir diverse Landstraßen entlang Richtung Compiègne. Ein großes Lob muss ich den hiesigen Autofahrern aussprechen. Es gab nicht eine Situation, in der ich mich unsicher fühlte. An den etwas geringeren seitlichen Abstand muss man sich gewöhnen, aber sie fuhren geduldig hinter uns her, bis es eine gut einsehbare Stelle gab und auch dann überholten sie sehr vorsichtig.
Bei etwa Kilometer 17 erreichten wir unser erstes Zwischenziel: Saint-Simon. Mein Begleiter der letzten nunmehr 13 Tage hat mir stolz "seine" Stadt gezeigt und wir fühlten uns direkt heimisch. Denn als wir vom Zentrum abbogen, mussten wir eine Brücke queren - die gesperrt war. Also eigentlich existierte sie gerade nicht mehr. Ein aufmerksamer Passant, der die Verzweiflung in meinem Gesicht sah, hatte uns gestikuliert, das man über Treppen rüber kann. Und tatsächlich, eine Baustellenbrücke für Fußgänger gab es. Doch wie die schwer bepackten Räder da hoch kriegen? Alle Taschen abbauen, hoch und wieder dran bauen? Zu zweit pro Rad haben wir es dann ohne Demontage geschafft und die Reise konnte fortgeführt werden.
Auffällig für mich waren etliche hübsche Häuser, schon fast kleine Schlösser, die es hier der häufig in den Dörfern und Städten gibt. Allerdings schon seit Belgien. Sehr schön anzusehen! In einem Dorf gab es sogar Straßenlaternen im Stile von Lampen in Parks unserorts.
Mit der fortschreitenden Zeit stieg auch der Sonnenstand und die Temperaturen. Mein Fahrradcomputer zeigte zwischendurch 34°C, schon eine beachtliche Herausforderung und ich musste langsam meine Getränke anfangen zu rationieren.
Auf der Karte gestern hatten wir eine Kirche gesehen, die wir eigentlich nicht anfahren wollten, weil "nicht noch eine Kirche". Aber als sie auf unserer Fahrt plötzlich vor uns stand und wir jede Gelegenheit suchten, um eine Pause vor der drückenden Hitze zu machen, rasteten wir und kamen auch kurz mit einem anderen Radreisenden ins Gespräch. Er ist in Belgien gestartet und will über Paris noch bis nach Spanien. 2300 km ist sein Weg lang, Respekt und eine gute Fahrt weiterhin!
Eine Kirchenruine sollte unser nächster Halt sein. Leider war sie gerade komplett in ein Baugerüst eingehüllt. Zu unserer Überraschung liefen auf dem Gelände in Gebete versunkene Mönche rum. Da wir noch einiges vor hatten, hielten wir uns hier nicht all zu lange auf und fuhren weiter. Aber nicht um zwischendurch eine weitere Pause in einer überdachten Bushaltestelle zu machen. Und wem erging es nicht auch schon so in einer Bushaltestelle in Frankreich - jetzt ein Baguette! Na zum Glück stand direkt neben der Haltestelle ein Baguette-Automat ;)
Auf dem Weg zu unserer vorletzten Station durften wir noch einmal zeigen, was in uns steckt. Bei brütender Hitze noch ein Anstieg von teilweise 8,6%. Inzwischen schon fast eine Leichtigkeit für uns. Angekommen am Ort, an dem der 1. Weltkrieg beendet wurde (Mémorial de l'Armistice) besuchten wir noch das Museum, was sehr eindrucksvoll die damaligen Zustände aufbereitet und präsentiert hatte.
Noch knapp 10 Kilometer zum Hotel. Aber nicht, ohne dass wir vorher noch an der Werkstatt vorbei fuhren, die uns gestern empfohlen wurde und von der man sagte, sie können die gebrochenen Speichen reparieren. Angesteuert, gefunden, gefragt. Der Auftragsplan ist schon sehr voll, wurde uns mitgeteilt, aber wir sollen mal die Räder hinter zum Mechaniker schieben. Dieser hatte direkt seine aktuelle Reparatur liegen lassen und sich um unsere Räder gekümmert. In etwa einer halben Stunde war alles fertig und wir wieder auf intakten Rädern unterwegs, vielen Dank dafür!
Und so sollten wir (wenden wir den Blick vom Wetter und den Temperaturen ab) sorgenfrei in die letzte Etappe starten können. Geplant: 98 km bis zum Eiffelturm und zusätzlich knapp 9 bis ins Hotel, drückt uns die Daumen :)
Von Maubeuge nach Saint-Quentin, 90 km, 646 Hm
Autor: Simon
Eintrag im Logbuch des Beifahrers; Sternzeit -296603.15166793496.
Die Expedition nähert sich dem Ende. Bisher lief alles wie erwartet und daher nichts wie es sollte. Dafür wurden wir ausgebildet. Mehrmals sind wir vom Kurs abgekommen oder mussten ihn komplett ändern. Trotzdem wurde die Mannschaft mit den Schwierigkeiten der Mission stets fertig, konnte sich anpassen und das Ziel im Auge behalten.
Wir befinden uns derzeit im Frankenreich, bei erhitzter Atmosphäre. Jede Anstrengung wird vom nahen Stern Sonne zusätzlich erschwert. Regelmäßige Pausen und Flüssigkeitsaufnahmen sind unerlässlich gewesen bei der heutigen Erkundung. Ab 10:00 Uhr Erdenzeit verschwanden nahezu sämtliche Ureinwohner in den Schutz ihrer Behausungen oder zu örtlichen Wasserquellen. Wie es die lokalen Medien den Abend zuvor auch rieten. Dennoch setzen wir unsere Mission unter diesen Umständen fort. Dafür bekamen wir vereinzelt Tapferkeitszurufe der vorbeiziehenden Bevölkerung. Die Expedition war ansonsten sehr ernüchternd und es gab kaum nennenswerte Sehenswürdigkeiten zu sichten. Wir kamen in dieser hügeligen Landschaft nur spontan an der Quelle der Somme vorbei. Doch auf die erfrischende Wirkung dieses Wassers mussten wir aus Mangel von Zeit und Badehosen verzichten. Viele Denkmäler der Gefallene der nationalen Soldaten vergangener Kriege zierten oft die Mitte der Siedlungen auf unseren Wegen.
Auffällig ist hierzulande auch, dass die Kommunikation mit den Einheimischen schwierig ist, da sie meist die Universallsprache mit uns nicht sprechen können oder wollen. Dennoch kein wirkliches Hindernis. Wir hatten unsere elektronischen Übersetzer zur Hand.
Einschub des Mechanikers an Bord: Auch Simon's Hinterrad hat einen Schaden in Form einer gebrochenen Speiche davongetragen. Eine Notreparatur konnte durchgeführt werden, sodass es mit relativer Sicherheit weitergehen konnte. Der Kurs wurde dennoch, vor der heutigen Unterkunft, noch auf einen bekannten Sporthändler mit entsprechender Werkstatt gesetzt. Leider war vor Ort kein Material mehr vorhanden. Dieses Vorhaben wird daher auf morgen verschoben, wenn mehr und andere Werkstätten offen haben.
Da es von den heutigen Erkundungen nicht viel zu berichten gibt und das Ziel in Sicht ist. Gehe ich hier nun mehr auf die Beschreibung der Reise an sich ein. Die Moral der Mannschaft wird zu diesem Zeitpunkt zwar immer angespannter und der Umgangston wird rauer, der lange Marsch und die momentane Hitze hinterlassen ihre Zeichen. Dennoch wird zusammengehalten und sich gegenseitig respektiert. Die Rückreise zur Basis wurde heute auch gesichert. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass die Hälfte der Mannschaft es kaum für möglich hielt, diesen langen Weg zu fahren, oder gar an das Ankommen an das Ziel zu denken. Nur der Captain war sich seiner Sache sicher, und so fuhr er siegesgewiss und vorbildhaft für uns alle stets voran. Ohne ihn wäre die Moral schon lange gekippt und eine Meuterei nicht ausgeschlossen gewesen. Auch wenn ich nicht für jedes Mitglied sprechen kann, so habe ich den Eindruck, dass diese Reise für alle beteiligten eine eindrucksvolle Leistung, eine lebensbejahende Erfahrung sowie ein lehrreiche Erkundung war. Kompromisse unter der Mannschaft waren unerlässlich, so konnte aber jeder seinen Teil dazu beitragen, dass diese Exploration ein voller Erfolg werden konnte. Das Band für zukünftige Abenteuer wurde gefestigt, trotz so mancher Geschmacksverirrung in der Kantine. Sämtliche Herausforderungen wurden gemeistert, seien sie physischer, psychischer, technischer, strategischer oder witterungsbedingter Natur gewesen. Auch die Unterstützung aus der Heimat hat stets ihren Beitrag geleistet, dass dieses Abenteuer bewältigt werden kann.
Das Ziel ist greifbar, Captain sowie die Mannschaft freuen sich schon auf das Finale und träumen schon von den freien Tagen in der Stadt und die Wunder die es dort zu Bestaunen gibt. Wenn es zu keinen schwerwiegenden Rückschlägen kommt, sind wir in zwei Erdumdrehungen am Ende des Kurses angekommen.
Von Charleroi nach Maubeuge, 68 km, 284 Hm
Autor: Jens
Die beiden Recken sind wohlauf und können einen weiteren Tag von ihren Abenteuern berichten. Doch das sollte der erste Tag mit einer Panne werden.
Die letzte Übernachtung war in einer belgischen Jugendherberge, die sehr modern eingerichtet war und einen vielfältigen Gemeinschaftsraum mit Billard, Dart, Spiele-Computern, einer Bar und einer Küche hatte. Das Personal und generell die Menschen in Belgien sind unglaublich freundlich, was ich aus Deutschland so nicht kenne. Wenn man nicht gerade im Stadtkern unterwegs ist, bekommt man von jedem ein "Bonjour" mit einem Lächeln geschenkt. Das steckt irgendwie an, einfach toll!
Aber zurück zur Tour, die wenig aufregend am Kanal durch Industriegebiete startete. Nach einem Stück Radweg an einem Schrottplatz vorbei musste ich erstmal nachsehen (lassen) ob ich mir nichts eingefahren hatte. Es klang zwischendurch etwas danach, aber die Reifen waren ok.
Schier endlose Kilometer der Sambre entlang spürten wir in unserem Nacken, dass sich eine Rennrad-Gruppe von hinten näherte. Eine Weile fuhr sie hinter uns her, bis sie irgendwann überholte. Doch wer mich kennt weiß, dass ich das nicht auf mir sitzen lassen kann und so schlossen wir die nächsten 5 km auf und blieben dran. Immerhin hatten wir unsere Räder voll bepackt, mit zusätzlichen Getränken, da heute und Morgen keine Geschäfte geöffnet haben und die Hitze einiges abverlangte. Die vier Männer hatten nur ihre leichten Rennräder dabei. Noch einmal überholen wollte ich sie aber auch nicht, weil ich ihre Reserven nicht kannte. Das war auch gut so, denn langsam erhöhten sie das Tempo auf 30 km/h. Simon hat voll mitgezogen und bei einem leichten Anstieg hatten wir sie dann. Nach einem kleinen Plausch mit einem der Radler trennten sich unsere Wege wieder und wir konnten wieder etwas entspannen.
Wie schon eingehend erwähnt, grüßt man sich hier quasi immer und so führte mich Simon in das Game des Jogger-Abklatschens (high 5) ein. Die Tage hat er das schon mit anderen Joggern gemacht, heute habe ich mich auch mal getraut. Und schau an, das läuft etwa so ab: man sucht sich einen entgegenkommenden Jogger aus, stellt sicher, dass er in der einem zugewandten Seite nicht gerade ein Handy hält, stellt Blickkontakt her, hält den Arm raus und jetzt kommt der kritische Teil. Die Irritation des Läufers muss ausgesessen werden, bis in seinen Gesichtszügen der Aha-Effekt der kommenden 0,5 Sekunden erkennbar ist. Ein Anzeichen dafür ist ein spontanes Lächeln und die Positionierung seiner Hand auf Kollisionskurs mit der eigenen. Und Check, hat geklappt, ich bin begeistert ;)
Im weiteren Verlauf entdeckte ich noch eine Gruppe mit Windhunden. Die ideale Gelegenheit, einen Gruß an die zu Hause gebliebene Sandra zu schicken. Beim ersten Versuch, Fotos zu machen, hatte ich die Kamera nicht schnell genug griffbereit, und so musste ich noch einmal umkehren. Nach einer Kontaktaufnahme mit den Besitzern waren die Fotos dann im Kasten und ich musste Simon wieder einholen, der derweil schon vorausgefahren war und an einer Pferdekoppel Halt machte.
Für die heutige Etappe hatte wir uns lediglich zwei dicht beieinander liegende Ziele herausgesucht. Eine hübsche Burg in Solre-sur-Sambre und eine "römische" Brücke bei Montignies-Saint-Christophe (großes Bild). Hin- und Rückweg zu den Locations waren streckenweise identisch und stark befahren. Laute, sportliche Wagen sind uns aufgefallen und wie später auf Hinweisschildern zu lesen war, fand hier derzeit eine Auto-Rallye statt.
Beim Abbiegen von der Hauptstraße in Richtung Sambre passierte es dann. Die Asphalt-Kante war zu hoch, das Gepäck zu schwer und es machte "Knack". Auf der anderen Straßenseite sah ich es dann - eine Speiche war gebrochen und das Rad hatte eine Acht. Mist! Da die Speiche nur noch locker im Rad hing und ich mir den Schaden genauer ansehen wollte, machten wir unter der nahegelegenen Brücke im Schatten halt. Gepäck runter, Rad umdrehen, gebrochene Speiche mit Kabelbinder fixieren und die anderen so nachziehen, dass die Acht kleiner wird. Ganz raus habe ich sie nicht bekommen. Blöderweise ist Pfingsten, sodass ich morgen noch vorsichtig damit weiter fahren muss, bevor ich am Dienstag eine Werkstatt oder mindestens einen Fahrradladen aufsuchen kann, um die Speiche zu ersetzen.
Irgendwo hier müsste jetzt auch die Grenze nach Frankreich kommen, dachte ich mir so und suchte mir etwa die Stelle noch auf Google Maps raus. Nach der Panne hatte ich aber irgendwie nur Gedanken im Kopf, wie ich das wieder repariert bekomme. Als Simon nicht mehr hinter mir war, drehte ich direkt wieder um, weil er sich heute den ganzen Tag nicht so weit zurückfallen lassen hat. War wieder etwas passiert? Nein, er hatte nur die Grenze gefunden, an der ich offenbar gedankenversunken vorbeigefahren war. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass man schon sehr genau auf die Schilder achten muss, um das als Grenze zu erkennen. Ein schlichtes "Bienvenue en France", eher wie eine Info-Tafel, wie sie zu Hauf am Wegesrand stehen. Gut, dass ich einen wachsamen Simon dabei hatte, so konnten wir noch ein passendes Foto schießen.
Erschöpft und überhitzt am Hotel angekommen checkten wir ein, betrachteten unser Zimmer und stellten trotz unserer bereits 11-tägigen Reise fest, dass ein französisches Doppelbett mit nur einer Decke noch nichts für uns ist ;) Zum Glück hatten sie noch ein Zimmer mit zwei Betten. Nach der körperlichen Anstrengung haben wir uns erst mal ein Nickerchen gegönnt. 255 km noch bis Paris, klingt machbar :)
Von Huy nach Charleroi, 88 km, 380 Hm
Autor: Simon
Es waren einmal zwei Radfahrer, die träumten schon von der näher rückenden Ziellinie, als die Sonnenstrahlen sie wach kitzelten.
Im königlichen Gemach zurecht gemacht, für das belgische Frühstück auf der sonnigen Terrasse. Gedankenverloren, wie schön die Route entlang der Maas werden wird und der Streckenverlauf mit Zwischenzielen gespickt ist. Doch oh Schreck! Keine Unterkunft entlang des Flusses. Was nun? Selbst so sportliche Fahrer wie diese zwei, brauchten Rast. Die zwei Recken suchten und suchten und versuchten gar verzweifelt per Telefon Unterkünfte zu finden. Doch nicht mal ein Stall wollte oder konnte den beiden Reisenden Unterschlupf bieten. Der einzige Ausweg bestand nur darin, aus dem festgefahren Plan auszubrechen und einen anderen Weg zum erträumten Ziel zu fahren. Gesagt getan. Nach Namur sollte die Reise nicht wie geplant südlich den Fluss Maas entlang, sondern abenteuerlich westwärts verlaufen. Die beiden Cyclisten hatten ein gutes Gefühl für diese Änderung. So sattelten sie auf, reparierten noch kleinere Fehler an ihren treuen Drahteseln und so verließen sie ihr Schloss für die Nacht, um sich wieder dem täglichen Abenteuer zu stellen. So leset selbst von Ihnen:
Im nahegelegenen Huy fuhren wir auf den letzten Metern des belgischen Radrennens namens Flèche Wallonne, das bekannt ist für seine steile Endetappe. Diese Steigung stellte auch kein Problem mehr für unsere gestählten Waden dar. Auf der Abfahrt zurück in die Stadt haben wir auch andere Radenthusiasten den Hügel hinauffahren sehen, und respektzollend zugenickt. Weitere Schnappschüsse in der Stadt von der am Berg sitzenden Festung und ab ging's weiter am Flussufer der Maas entlang. Ein beschaulicher, gut zu fahrender Radweg. Links und rechts quasi nur Postkartenansichten. Ein Kilometer nach dem anderen schwand in kürzester Zeit. Nur einmal bremste uns ein, ausgerechnet heute stattfindender, Flohmarkt am Ufer aus. Hier durften wir nicht fahren, sondern mussten schieben, da der Markt Kilometer lang erschien, wechselten wir auf die nebendran führenden Straße, sicher zum Verdruss von so manchem Autofahrer, aber was soll's. Wir verstehen ihre Flüche ja eh nicht, alles französisch. Zurück auf den eigentlichen Radweg, kam uns so mancher Jogger entgegen, denen wir bei dieser Hitze (30 Grad mindestens) gerne voller Respekt abklatschen. Dies brachte beide Parteien zum Grinsen, eben eine universale Sprache und für einen Moment war die Anstrengung vergessen. Eine große Gänsefamilie versperrte uns auch mal den Weg, hier wurde fauchend die Gössel (Jungtiere) verteidigt während wir im Schritttempo vorbeifuhren.
Endlich Namur erreicht, ging es hoch hinaus zur örtlichen Zitadelle. Am Fuß des Berges noch schnell mit Gummibärchen und Trinken gestärkt. Abgeguckt bei anderen Radfahrern, die dort pausierten und das gleiche hohe Ziel hatten wie wir. Oben ohne weitere Probleme angekommen, konnten wir bestens die Stadt, die Umgebung und die Maas bestaunen. Sowie die Richtung nach Dinant, die eigentlich unsere Zielsetzung war. Hier fuhren wir nun über den Bergkamm, vorbei an einer Hochzeitsgesellschaft, und düsten bergabwärts nach Westen. War die Flussfahrt an der Maas vormittags noch schön anzusehen, war die Sambre nachmittags dagegen recht eintönig und führte uns zu oft in graue Industriehäfen und Gebiete. Hier fanden wir unserer kurzfristige Reiseplanänderung bestätigt, da das Flussfahren die Maas entlang auf Dauer doch sehr eintönig gewesen wäre. Das "spannendste", was am Nachmittag auf der Fahrt nach Charleroi noch passierte, war, dass wir in einen örtlichen Lauf gekommen sind. Sowie von weitem aufsteigenden Rauch sahen, wo wir rätselten ob dies ein Waldbrand wäre. Je näher wir kamen, desto klarer wurde es, dass es in einem Industriegebäude gebrannt hatte. Die letzten Etappen pausierten wir dennoch des Öfteren, da die Hitze und Sonne endgültig ihren Tribut bei uns verlangte (ja sogar von Jens!). Hier verbrauchten wir unsere Trinkvorräten vollends. Endlich erreichten wir, relativ früh, im Vergleich zu den Vortagen, die spontane Unterkunft. Eine Jugendherberge. Man gewährte uns auch tatsächlich Einlass. Nur die Betten mussten noch von uns selbst bezogen werden...
So ging der Abenteuertag der beiden Recken zu Ende. Sie stärkten sich wie üblich und füllten ihre Vorräte auf, für die noch bevorstehende Reise, die vielleicht durch diesen "Umweg" sich um einen Tag verkürzen sollte. So saßen sie noch in der Herberge zusammen und schmiedeten an den letzten Punkten ihrer Quest, bevor sie ihre heutigen spartanischen Bettenlager aufsuchen. Und wenn sie nicht gestorben sind, so radeln sie auch morgen.
Ende
Von Aachen nach Huy, 97 km, 819 Hm
Autor: Jens
Voller Energie konnten wir heute nach dem Recovery Day in die nächste Etappe starten. Nun gut, der Simon brauchte noch etwas Motivationshilfe, wie ich aus Sätzen wie "Wir haben gestern noch gar nicht alle Katzen kennengelernt" oder "Meine Beine sollte sich mal ein Arzt ansehen" entnehmen konnte. Irgendwann nach 10 Uhr, noch einmal frisch aufgepumpten Reifen und einer geölten Kette (Zeit schinden kann er) konnten wir dann endlich starten. Direkt rein in den chaotischen Großstadtverkehr. Zwar sind in Aachen die Radfahrstreifen meist gut ausgewiesen, aber diese verdammten Ampeln. Da die Stadt schon sehr bergig ist, konnte Simon wenigstens das Ein- und Ausklicken am Berg üben.
Die Sonne stand schon hoch und wir hatten bereits kuschelige 20°C zu verbuchen. Erste Station war das Dreiländereck, das erstaunlich hoch gelegen ist. Aber der Weg durch einen idyllischen Tannenwald war es Wert und oben angekommen durften natürlich die Fotos und die Umkreisung des Grenzsteins nicht fehlen. Fix mal in Belgien, Niederlanden und Deutschland gewesen.
Es folgte eine rasante Abfahrt. Der Geschwindigkeitsrausch hat mich gleich eine Abbiegung verfehlen lassen, das wir dann durch einen ungeplanten Anstieg zurück auf die Route ausmerzen mussten. Ab hier folgten dann aber etwa 50 km feinster Radweg auf einer alten Bahnlinie entlang. Seicht geschwungen, auf und ab mit vertretbaren Anstrengungen radelten wir dahin. Da es jedoch schon recht warm geworden ist, habe ich heute zusätzliche Trinkpausen befohlen. Die erste davon nach schon 20 km mit einem herrlichen Blick ins Tal. Die Luft war so rein, dass man unglaublich weit gucken konnte.
Die Bahnlinie, auf der wir radelten ging durch mehrere Städte und wurde lediglich durch Straßenquerungen unterbrochen. Trotz dass die Fahrräder Vorfahrt gewähren mussten, wurden wir fast immer von davor stoppenden Autos durchgewunken, beeindruckend!
Das zweite Ziel war ein Militärfriedhof gefallener Amerikanischer Soldaten im 2. Weltkrieg. Das hat schon eine bedrückende Stimmung hervorgerufen, als ich die etwa 8000 weißen Kreuze dort habe stehen sehen. Die kleine Ausstellung mit weiteren Informationen haben wir uns auch gleich mit angesehen.
Der auf der anderen Straßenseite gelegene Aussichtspunkt war leider geschlossen, also sind wir direkt weitergefahren. Plötzlich ging die Route einen unscheinbaren Weg hinab, der so steil war, dass Simon schieben musste. Auch war der lockere Pfad vom Regen so ausgespült, dass es nicht ganz ungefährlich war, dort mit einem schweren Rad runter zu fahren. Ich habe dann unten auf ihn gewartet ;)
Dann ging es über lange Straßen durch hübsche Dörfer bergauf, bergab. Überraschenderweise überholte mich Simon an einem Berg wie von einem Affen gebissen, um vor zu fahren und Bilder von mir zu machen, wie ich den Berg hoch keuche (wahrscheinlich als Retourkutsche, weil ich das öfter mit ihm mache).
Es folgt das nächste Ziel: eine alte Bunkeranlage (alles von Simon ausgewählte Ziele, möchte ich anmerken). Dort befand sich ein Aussichtsturm, der aber leider noch im Aufbau war. Also kein toller Ausblick von oben auf die Anlage. Stattdessen Pause an einem schattigen Plätzchen. Und ihr erinnert euch an die Fotos des bergauf keuchenden Jens? Wie sich bei der nachträglichen Sichtung der Bilder herausstellte, hatte er die falsche Kamera eingestellt und die ganze Zeit Selfies gemacht :D
Weiter im Landesinneren Belgiens offenbarte sich ein Fehler in meiner Routenplanung. Ich hatte vergessen, das Kartenmaterial vom Nachbarland auf den Fahrradcomputer zu laden. Und so hatte ich zwar den Stich der geplanten Route, aber keine Relation mehr. Ein halber Blindflug folgte für die nächsten Kilometer, bis sich irgendwann hinter Lüttich erst das Kartenmaterial laden ließ.
Vorher, in Lüttich wollten wir wieder hoch hinaus, zu einer Zitadelle, die zudem einen fantastischen Ausblick auf die Stadt versprach. Ein hervorragender Aufstieg im Berufsverkehr bei bis zu 13,4% Steigung, bei 30°C und praller Sonne ein Leckerbissen! Oben angekommen stand, als hätte er nur auf uns gewartet, ein Eiswagen, dessen Dienste wir prompt in Anspruch nahmen, um die geschundenen Körper wieder auf Normaltemperatur zu bringen.
Nach einer super Aussicht über Lüttich, einer Abfahrt über steile Treppen, Orientierungsproblemen in der Stadt und der Erkenntnis, dass wir hier unsere deutschen Pfandflaschen nicht mehr loswerden ging es weiter an der Maas Richtung Hotel. Als wir kurz vor der Location ankamen, wurden Kühltürme am Horizont immer größer. Und tatsächlich, das Hotel ist keine 1000 Meter vom AKW entfernt. Vielleicht war es deshalb so relativ günstig ;) Aber hey, es ist sehr schön anzusehen, ein Schloss. Einmal royal nächtigen.
Recovery Day in Aachen, 0 km, 0 Hm
Autor: Simon
Endlich auch ein Urlaubstag auf dieser Urlaubsreise!
Da wir im Verfügungsraum Aachen nun stationiert sind, war heute Kräfte sammeln und Energie tanken angesagt. Schließlich hatten wir über die Hälfte der Tour geschafft und ich mir 'ne Pause verdient.
Deshalb ging alles heute sehr gemächlich zu. Kein Zeitdruck, kein hastiges Zusammenpacken, dafür ein nach dem Frühstück erstmal wieder ins Bett fallen, und Sattelverbot. Das letztere war wirklich schwer für Jens. Deshalb habe ich ihn später als Ablenkung noch ein wenig die Stadt zu Fuß gezeigt.
Vorbei am Elisenbrunnen, aus dem es schön warm sprudelte, wenn auch leicht nach Eiern, also schweflig roch. Einer von vielen Thermalquellen der Stadt, daneben eine steinerne Who is who Adels-Liste der letzten 300 Jahren, die bekanntlich an diesen Quellen vorbeikamen. Weiter zum Herzstück und dem ersten deutschen UNESCO-Weltkulturerbe, dem Aachner Dom. Wahrlich ein Prachtbau, von außen wie von innen. Meterhohe bunte Fenster, Verzierungen, und malerische Wandbemalungen wohin wir sahen. Auch wenn man vielleicht nicht den christlichen Glauben teilt, so muss man, ich zumindest, doch gestehen, dass diese Orte voller Spiritualität stecken und einen ehrfürchtig machen. Zudem das Wissen, dass dieser Ort das Zentrum für Karl den Großen war, verlieh dem Ort wie auch dem restlichen Stadtbild von Aachen ein schönes, historisches Flair.
Weiter durch die imposante Altstadt, weitere Zier- und Spielbrunnen, einer davon mit beweglichen Puppenteilen, da kannte das Spielkind in mir natürlich kein Halten mehr und so drehte ich jeden Arm, jedes Bein und jeden Kopf der Brunnenfiguren, die ich erreichen konnte. Wenig später hielt Jens von der Brüstung des Rathauses eine Rede quer über den davor liegenden Marktplatz. Leider hörte nur ich ihm zu. Aber jeder Politiker fängt klein an.
Wir fanden mit dem Ponttor und der Marienburg Teile der alten Stadtmauer von Aachen. Dabei philosophierten wir über die damalige Zeit, die Bevölkerung und was für ein Anblick das mittelalterliche Aachen gegeben haben muss.
Zum Ende unserer Stadttour kehrten wir in einem etwas anderen Café ein. Wir bestellten unsere Getränke und wenig später kam ein felliger Vierbeiner in den Raum. Ein Kater! Wir waren in einem Katzencafé. Wo wir einfach im Wohn- und Spielzimmer der Stubentiger etwas trinken konnten. Das war ein seltsames Gefühl, wenn plötzlich so eine geschmeidige Katze auf den Tisch neben der eigenen Eisschokolade springt und sich einfach hinlegt. Sehr cooles, wohnliches (Anmerkung von Jens: seltsames) Flair.
Zurück im Hotel planten wir den weiteren Einmarsch Streckenverlauf in das Feindesland Nachbarland und legten die Zwischenziele fest, die wir noch erreichen oder ignorieren wollten.
Noch ein Happen gegessen und dann geschah etwas einmaliges, nicht nur machten wir heute Pause von den Rädern, sondern auch voneinander, zumindest für ein paar Stunden.
Jens hatte mir im Vorfeld eine Packliste gesendet, darauf zu finden: eine Badehose. Na gut, pack ich ein. Erst auf der Tour gestand er mir, dass das ein Witz war und wir keine Zeit/Gelegenheit für Baden hätten. Hah! Nicht mit mir! Auf der gestrigen Fahrt zum Hotel ist mir die Therme Carolus schon aufgefallen. Somit packte ich meine Badehose, aber nicht mein kleines Schwesterlein, ließ Jens eingeschlossen im Hotel zurück, und marschierte zur nahegelegenen Therme.
Diese war im Stile einer römischen Therme mit der Moderne erbaut und mit einer Karls-Statue in der Mitte. Gespeist von einer der hiesigen Mineralquellen. Mir gefiel dabei der Pathosgedanke, im selben Quellwasser zu baden wie einst die Römer (vielleicht Julius Cäsar), der Kaiser Karl den Großen, oder anderen berühmten oder adligen Zeitgenossen. Das warme und sprudelnde Wasser war wahrlich ein Segen für meinen geschundenen Körper, somit sollte der Rest der Reise noch zu bewältigen sein. Ein paar Stunden Solo-Zeit tut sicherlich auch unserer sozialen Beziehung auf diesem Abenteuer ganz gut.
Morgen geht's dann wieder los auf den Sattel und gen Westen. Den Rest schaffen Jens und ich nun sicherlich auch noch. Wir sind nun näher an Paris als an Magdeburg. Wäre doch Schwachsinn jetzt umzudrehen.
Von Mönchengladbach nach Aachen, 83 km, 520 Hm
Autor: Jens
Nach einer Nacht in einem beschaulich eingerichtetem Hotelzimmer und einem Frühstück im leeren Saal ging die Vorbereitung auf die nächste Etappe los. Etwas Motivationsarbeit war noch nötig, war doch wieder ein recht starker Gegenwind vorhergesagt. Ich bilde mir ein, die Aussicht auf die Halbzeit wirkte. Wir mussten nur noch 4 km fahren, um näher an Paris, als an Magdeburg zu sein. Leider konnten wir den Moment, an dem es nur noch 600 verbleibende Kilometer waren, aufgrund des Regens nicht in vollen Zügen genießen. Ein Ghetto-Fäustchen während der Fahrt musste reichen.
Nach schier endlosen Meilen auf langen, geraden Straßen direkt neben dem Berufsverkehr bogen wir endlich ab in ländlichere Gebiete. Da nun auch ab und zu die Sonne durchkam und uns zu warm wurde, hatten wir kurzerhand entschieden, unsere Regenkleidung abzulegen. Also fix an den Rand gefahren, Fahrräder aufgebockt und gerade im Ansatz gewesen, die Jacken auszuziehen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne den freundlichen Herren gemacht, der uns aus dem ersten Stock des Mehrfamilienhauses zurief, dass wir auf Privatgelände (4 leere Parkplätze vor dem Haus) stehen und dass Deutschland zugrunde gehen werde. Offenkundig sah er uns als Grund dafür. Nun gut, um die Situation nicht eskalieren zu lassen, schoben wir unsere Räder 2 Meter weiter. Aus dem Fenster schallte u.a. "Arschlöcher" heraus. Aber wir waren doch noch gar nicht fertig, uns mit Sonnencreme einzuschmieren. Haben wir natürlich auch noch gemacht. Dabei ist fast noch der Deckel Simons Sonnencreme über die Ecke des Grundstücks gerollt. Mit einem Hechtsprung konnte ich gerade noch blitzschnell reagieren, damit dieser unsägliche Fall nicht eintritt. Vor der Weiterfahrt winkte ich noch freundlich, das gehört sich so ;)
Das nächste Ziel war die Abbruchkante eines Tagebaus. Den Bagger sahen wir aus der Ferne, aber kein tiefes Loch. Wie sich später herausstellte, war meine Koordinate nicht auf den Aussichtspunkt gesetzt, wodurch wir ungesehen weiterfuhren. Sehr ärgerlich.
Simon fährt die meiste Zeit hinter mir und ich habe immer einen Blick, dass ich nicht zu weit vorn fahre und ihn verliere. Nach einer Abbiegung hatte ich wieder geschaut, aber kein Simon in Sicht. Immer noch nicht. Und immer noch nicht. Ist er falsch abgebogen, obwohl ich ihm eigentlich noch die richtige Richtung gezeigt hatte? Hmm, ich bin langsam zurück, kein Simon. Hinter der Kurve war er dann endlich. Ich dachte erst, dass er wieder, wie bereits in den letzten Tagen, Probleme mit der Schaltung oder irgendwelcher anderen Technik am Rad hat. Aber nein, er hatte eine enge, nasse Kurve zu sportlich genommen und sich geledert. Er hatte schon viele lächerliche Versuche unternommen, die Tour abzubrechen, aber so weit ist er bisher nicht gegangen :P Alles halb so wild, er hat nicht geweint, nicht einmal Blut war zu sehen, das werden nur blaue Flecke.
Kurze Zeit später kamen wir wieder in urbanes Gebiet und in einer engen Einbahnstraße ohne Ausweichmöglichkeiten nötigte mich ein mir fast auf dem Gepäckträger sitzender Transporter-Fahrer mit Tritten aufs Gas, um uns zu signalisieren, was er von uns hält. Sobald er überholen konnte, tat er das mit Vollgas, Gehupe und einem Mittelfinger. Nette Menschen hier, die Region kann ich nur jedem als Reiseziel empfehlen.
Danach entspannte sich die Lage wieder. Entlang eines Flusses ging es im stetigen Wechsel am linken und rechten Ufer Richtung Aachen. Wenn die hiesigen Menschen nicht da sind, kann es hier sehr idyllisch sein (sind natürlich nicht alle so). Auch an der ein oder anderen Kirche, Burg oder Schloss machten wir Halt und hätte Simon nichts gesagt, hätte ich nicht mitbekommen, dass wir bereits in den Niederlanden sind. Eine unscheinbare Brücke markiert die Grenze. Wie ich es von meiner letzten Reise durch Holland kannte, sind hier die Radwege ganz anders, übersichtlicher und klarer erkennbar gestaltet als in Deutschland. Lange währte das Vergnügen nicht, da waren wir genauso überraschend wieder in Deutschland eingereist (die Tour ging über einen Zipfel der Niederlande).
Kurz vor Aachen verlief die Strecke ausnahmsweise mal mit dem Wind, was ein Novum in den letzten 7 Tagen war. Verweichlicht wurden wir aber nicht, versprochen. Nach knapp 10 Kilometern ging es wieder wie gewohnt gegen den Wind.
Eine letzte lange Abfahrt und ein Anstieg fehlten noch, dann erreichten wir das Hotel. Da Simon mit seinen Beinen zu kämpfen hat und gegen den Muskelkater ankämpft, haben wir uns bereits gestern dazu entschieden, morgen einen Recovery Day zu machen und die Stadt zu Fuß zu erkunden.
Von Raesfeld nach Mönchengladbach, 100 km, 407 Hm
Autor: Simon
Liebes Tagebuch, ich bin nicht mehr sicher, welcher Tag heute ist, es fängt an zu verschwimmen, Jens meint es ist auf jeden Fall Radfahrtag. Was am Abend zuvor noch ein geselliges lebendiges Haus war, ist heute früh ein ruhiges Haus, alle Bewohner waren schon auf ihren Wegen des Alltags. Stimmt ja, wir haben ja Urlaub, andere nicht. Das Frühstück hat heute Jens gemacht, ist allerdings nicht vergleichbar mit dem im Hotel. Wie immer hieß es aber Sachen packen, und los. Noch schnell das flauschige Bambi gestreichelt und leb wohl gesagt, verließen wir das Familienhaus. Wir haben uns wohl benommen, denn es wurden später wieder Besuchseinladungen ausgesprochen. Dennoch es wird ein langer, langer Weg heute bis nach Mönchengladbach. Das Wetter spielte sein übliches Spiel, unbeständig mal warm, mal kalt, mal nass.
Die für unsere Zukunft wichtigen Windräder drehten sich fleißig, allerdings mit dem Hinterteil zu uns, was bedeutete, Wind in unsere junge Gesichter. Das war den ganzen Tag dolle anstrengend, ich sach's dir! Erster Stopp und Pause in Wesel, hier sollte es eine sternförmige Zitadelle geben, wir haben paar Mauern, Kanonen, Kasernen und Gräben drumherum gefunden. Das muss reichen.
Dann war die große Rheinüberquerung dran. Eine RIESEN Brücke über den RIESIGEN Fluss, das war auch ganz toll anzuschauen, aber scheiße windig. Ach ja, Schiffe haben wir auch auf dem Wasser gesehen. Auf der anderen Seite des Flusses, ging es auf dem Deich weiter nach Süden. Da habe ich ein Wettrennen mit den Schiffen gemacht. Die Schiffe gegen die starke Flussströmung und ich gegen den starken Wind. Ich habe gewonnen, aber das war ganz schön knapp und wie in Zeitlupe. Als ob man ein Schneckenrennen veranstaltet.
Später hat sich Jens mal wieder verfahren, denn plötzlich waren wir in den Alpen, so zumindest sagte es das Schild. Die Alpen habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Bergiger und vor allem woanders... Falls ich das hier überstehe und es eine neue Tour mit ihm geben sollte, werde ich die Navigation übernehmen!
Jens macht das ansonsten ganz ordentlich, er fährt immer 100 Meter vor mir. Denn dadurch kann er immer die Ampel für mich grün drücken und auch schauen, ob Kreuzungen für mich sicher sind, damit ich freie Fahrt habe und nicht bremsen oder absteigen muss. Irgendwann lobe ich ihn dafür mal.
Der nächste Halt war an der sogenannten Himmelstreppe. Voller Elan stieg Jens in den Himmel hinauf, ich passte derweil auf unsere Räder auf. War wohl nicht so schön dort oben, denn er ist wieder zu mir hinabgestiegen. Wir nutzen den Platz auch zum Verweilen und zur Stärkung. Dabei konnten wir viele Leute beobachten wie sie die Treppe mehrmals und sportlich nutzten. Gerade mal die Hälfte war für uns geschafft, 55 km. Und die Zeit schritt auch schon in den Nachmittag voran.
Bei diesen ganzen Touren sind, meiner Einschätzung nach, das zweite und dritte Viertel, die schlimmsten und zähsten. Heute war auch für mich ein mentaler Durchhaltetest auf dem Plan. Gedanken übers Abbrechen kamen über mich herein und verlangsamten mich zusätzlich. Dies bemerkte mein Companion emphatisch wie er ist, bei mir und kam auf meine Höhe für Motivationsgespräche, verscheuchte meine dunklen Gedanken und meinte heute wäre wirklich ein hartes Stück Arbeit gewesen, und dennoch wären wir gut dabei. Dies verhalf mir auf den letzten Kilometern zum Durchhalten. Das letzte Viertel gleicht derweil für mich einem Countdown, indem die letzten Km zum Ziel heruntergezählt werden. Noch fix eine Kirche und ein Schloss + Garten auf der Route besucht und schon waren wir in der Zielstadt. Der erste Eindruck war malzig in der Nase. Sind wir doch glatt als Erstes bei der Oettinger Brauerei vorbeigekommen. Der Durst für das Feierabendbier stieg und somit wurden die letzten Km zur heutigen Unterkunft auch noch bezwungen. Was für ein Akt heute und doch habe ich/wir es irgendwie wieder geschafft.
So liebes Tagebuch, ich muss jetzt Schluss machen. Jens kommt und will mich wohl auch für morgen zum Radfahren zwingen einladen.
Von Münster nach Raesfeld, 101 km, 347 Hm
Autor: Jens
Bereits in den letzten Stunden der Nacht merkte ich, wie die Verspannung in der Schulter mir Kopfschmerzen bereitete. Entweder war das Bett nicht ideal oder die körperlichen Anstrengungen der letzten Tage zu groß. Ich tippe auf das Bett ;)
Nach einem guten Budget-Frühstück ging es dann wieder auf die Piste. Direkt ins graue Wetter und den Regen hinein. Noch in Münster besuchten wir den botanischen Garten der Universität Münster. Bei Sonnenschein sicher noch hübscher anzusehen, bot er uns bei der Rundfahrt um das sternförmige, von Wasser umgebene Gelände dennoch einen idyllischen Start in den Tag.
Als sollte es heute der Tag der Schlösser und Burgen sein, war das nächste Zwischenziel die Burg Hülshoff, die uns leider mit Regen empfing. Derweil waren gerade Aufbauarbeiten für ein Fest im Gange, was uns aber nicht davon abhalten konnte, das ein oder andere schöne Bild von der Burg zu schießen. Kurz verweilt und gestärkt ging es weiter bei leicht aufheiterndem Wetter Richtung Westen, wo wir dann auf "Schonebeck" ohne "ö" stießen. Die Ö-Striche wurden kurzerhand improvisiert (siehe Bild unten), um den fiktiven Magdeburger Regionenbezug wiederherzustellen.
Nach dem unweit entfernten "Haus Klein-Schonebeck", das in privater Hand und damit auch unzugänglich war, so suggerierten es die Schrifttafeln am Eingangstor, führte uns der Weg zu einer weiteren Perle der Natur: der Rhododendronwald nordwestlich von Dülmen. An einer unscheinbaren Seitenstraße gibt es hier mitten im Wald ein Wegenetz durch etliche Rhododendron-Büsche in den verschiedensten Farben, die gerade jetzt in voller Blüte standen. Entsprechend versprühten die Pflanzen auch einen herrlichen Duft.
Es folgten landschaftlich, für meinen Geschmack, recht karge Kilometer. In der Region hier wird sehr viel Landwirtschaft betrieben und ohne erkennbare Berge und lange, geradlinige Straßen wirkt es hier recht eintönig. Das Radwegenetz scheint jedoch recht gut ausgebaut zu sein. Selten mussten wir uns die Fahrbahn mit den Autos teilen, was das Radeln sehr angenehm machte.
Ein letzter Stopp lag noch auf dem letzten Abschnitt vor unserer Unterkunft, Schloss Lembeck. Leider kamen wir hier zu spät an, der Zugang war bereits geschlossen, sodass wir nur noch einen schalen Blick durch das Schlosstor erhaschen konnten.
Unsere heutige Unterkunft, das Haus meiner Schwester, erreichten wir kurz vor 19 Uhr. Dort wurden wir herzlich empfangen, aßen und tranken und quatschten noch eine kleine Weile. Jetzt geht's weiter mit der morgigen Planung und einer Abschätzung, welche Strecke wir pro Tag im Schnitt schaffen müssen, um rechtzeitig in Paris anzukommen.
Von Gütersloh nach Münster, 61 km, 171 Hm
Autor: Simon
8:45. Ich öffne die Augen. Nach einem viel zu langem Tag und einer viel zu kurzen Nacht erschallt ein viel zu fröhliches "Guten Morgen" von der Seite. Jens ist schon (wieder) putzmunter, hellwach und kann es kaum erwarten, dass es weitergeht.
Also fix die Morgenroutine erledigen und ab zum Frühstück. Klein aber fein und ausreichend, sogar mit frischer Pizza. Die 7 Sachen zusammenpacken und aus dem Hotel auschecken. Aus Rücksicht auf Jens habe ich vorgeschlagen, die nächsten beiden Tage ruhiger angehen zu lassen und heute "nur" 60 km "gemütlich" nach Münster zu fahren. Das Wetter war heute wieder unbeständig mit Sonne und leichtem Regen bei frischeren Temperaturen um die 12 Grad und immer mal wieder Gegenwind. Nichts Neues also.
Raus aus der Stadt befuhren wir einen schönen Radweg durch Felder und Wälder, wenig Verkehr und daher auch wenig Stopps. So macht das Fahren Spaß und wir hatten Zeit, links und rechts zu schauen. Hier gab es oft christliche Schreine und Kreuze zu sehen. Wir bekamen auch große, schöne und eindrucksvolle Gutshäuser zu Gesicht, die wie aus einer Filmkulisse schienen. Bei einem kurzen Stopp konnte man auch mal wieder tiefere Gespräche über Gott und die Welt führen. Während der Fahrt ist dafür leider keine Gelegenheit, da selten Platz ist, um nebeneinander zu fahren, Jens kurzfristige Richtungsänderungen vortäuscht bzw. jeder Atemzug zum Treten gebraucht wurde, meistens von mir.
Mein Einfluss auf Jens zeigte erste Früchte. Er kam mehr weg vom rein sportlichen Strecke fahren und schaute, fotografierte und hielt nun öfters an, um seine Umgebung wahrzunehmen und den Moment zu genießen. Ohne eigentlich geplanten Halt stoppte er in der Stadt Warendorf mich nun des Öfteren, da er was für seine Fotolinse entdeckte. Na gut, warum nicht. So ein Trip soll schließlich voller Eindrücke und spontaner Erlebnisse sein. Kurz darauf sollte "mein" Halt an einem See sein, zu meiner Freude fand Jens einen schönen schmalen "Weg" entlang eines kleinen Flusses. Wir hatten schließlich Gravel-Bikes, dann müssen wir auch mal graveln! Eine willkommene Abwechslung zu den befestigten Straßen und Radwegen. Wir fanden schließlich eine Bank am Seeufer und pausierten dort für die Trink- und Nahrungsaufnahme. Jens spielte derweil auch wieder mit dem Flukas für imposante Bilder.
Die Hälfte nach Münster lag noch vor uns. Also wieder auf die Sättel. Der anspruchsvolle Tag zuvor forderte Tribut in meinen Beinen. Die letzten km gingen nur mühselig vorbei, dennoch erreichten wir die heutige Zielstadt. Uns fiel gleich auf, warum Münster als Fahrradhauptstadt Deutschlands gilt. Breite Radwege, extra Ampeln und bevorzugte Vorfahrten, Stellplätze, sowie vermehrte Fahrradstraßen.
Eingecheckt im Hotel blieb uns noch genug Zeit, die Stadt diesmal per Fuß in Ruhe zu erkunden. Natürlich war das erste Ziel, DEN gotischen Dom zu finden, der als einziger in Deutschland noch größer als der in unserem Magdeburg ist. Eindrucksvoll sind diese Kirchen in der Tat. Von außen wie von innen. Auch in andere Kirchen schnupperten wir hinein, allerdings war es ja Sonntag und die Messen fingen gerade an. So viel Zeit wollten wir dann auch nicht mit Gott verbringen. Jens hatte dann auch noch einen Wunsch und so navigierte er mich zu einer Ecke mit einem Laden. Auf dem Schild stand Antiquariat Solder, etwas verwirrt schaute ich ihn an, und er erklärte mir voller Freude, dass dies die Film- und Handlungslocation von dem Krimi Wilsberg ist. Macht ja nichts. Kulinarisch führte ich uns dann noch ins "Fegefeuer", eine etwas wild eingerichtete Taverne, die wirklich nicht zu beschreiben ist. Die Bedienung war sehr, sehr persönlich und freischnäuzig. Herrlich. Achja, Bier und gutes Essen gabs dazu auch, um den Abend ausklingen zu lassen.
Morgen geht es dann zur Schwester von Jens, die uns dann beherbergen muss. Natürlich steht uns dann wieder nur 13 Grad und Regen bevor. Das wird ja heiter werden, meine müden Knochen freuen sich jetzt schon darauf.
Von Bad Nenndorf nach Gütersloh, 131 km, 764 Hm
Autor: Jens
Gestern Abend zeichnete sich bereits ein düsteres Bild für diesen Morgen ab: Das gebuchte Hotel hatte kein Frühstücksangebot. Nach einer kurzen Beratung waren wir uns einig, dass wir fix zum nahegelegenen Aldi fahren und uns dort unser Frühstück zusammenstellen. Glücklicherweise gab es in der Hotel-Lobby noch einen Kaffee-Automaten, bei dem ich mir einen Becher ziehen konnte. Die Fahrt rüber zum Aldi hatte ich besonders vorsichtig gemacht, um möglichst wenig vom schwarzen Morgengold zu verschütten. Das hat nicht ganz ideal geklappt, aber immerhin, der größte Teil ist nicht im meine Gepäcktasche übergeschwappt.
Ab Aldi haben wir uns dann reichhaltige Nahrung reingedrückt. Bei mir war es eine kleine Packung Vollkornbrot mit Schinken und ... nichts weiter. Mmmm, lecker! Aber für den Tag sollte es reichen.
Bereits auf den ersten wenigen Kilometern zeichnete sich wieder einmal die Präzision der Wettervorhersage ab: strammer Gegenwind. Aber da es keine andere Option gab, hieß es, Zähne zusammenbeißen und durch. Immerhin hatten wir heute unsere längste Etappe von 120 km zu bewältigen.
Simon hatte den Wunsch geäußert, heute mehr Pausen machen zu wollen. Gestern hatte er zu wenig Gelegenheiten, Nahrung zu sich zu nehmen. Und so machten wir etwa alle 20 km eine kleine Rast. Bis auf den Wind hatten wir größtenteils Glück mit dem Wetter, was ein paar sehr schöne Fotos in den iPhone-Speicher brannte. Und natürlich hatte Simon auch für diese Etappe einige Locations herausgesucht. Dummerweise hatte er für einen Ort mehrere Optionen hinterlegt und ich dachte mir, eine davon reicht. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Simon gemacht. Das führte dazu, dass die übersprungenen Locations nachgeholt werden mussten. Also 3,3 km zurück und danach wieder auf die Route. Aber die haben sich mehr als gelohnt! Einerseits war es ein Mausoleum mitten im Wald und zweitens ein Grab in Pyramidenform, auch komplett unscheinbar im Wald. Sehr beeindruckend!
Nachdem diese fast magischen Orte besucht waren, ging es weiter in Richtung 9. Längengrad, den wir aber leider überschritten hatten, ohne anzuhalten, weil ich die Entfernung bis dahin unterschätzt hatte. Die etwa 5 km wollten wir aber auch nicht noch einmal zurück fahren.
Das nächste Ziel war das Kaiser Wilhelm Denkmal bei Minden. Nach bereits 60 km in den Beinen waren die 150 Höhenmeter auf den Gipfel schon eine kleine Herausforderung. Und der Simon war sogar zuerst oben, Respekt! Oben angekommen, haben wir sehr die Aussicht genossen und das ein oder andere Foto geschossen, von uns, der Statue und dem Lurch.
Die Abfahrt führte zurück auf den Weser-Radweg, den ich vor ein paar Jahren mit meinem Vater gefahren bin. Für die Jahreszeit waren m.E. recht viele Radler unterwegs und der Wind blies uns ins Gesicht.
So langsam schritt die Zeit ziemlich schnell voran und wir hatten gegen 15 Uhr noch etwa 55 km vor uns. Da stand aber noch ein Wasserkrater in Aqua Magica in Bad Oeynhausen auf dem Plan. Der war aber leider gerade außer Betrieb. So haben wir dort noch eine Pause eingelegt und uns für die restlichen paar km gestärkt.
Da morgen Sonntag ist, waren wir in Bielefeld noch im Discounter, um unser Proviant für den nächsten Tag zu bunkern. Bereits am Aqua Magica haben wir entschieden, morgen nicht die 140 km zu meiner Schwester zu nehmen, sondern die Strecke in zwei Etappen aufzuteilen, um den inzwischen müden Beinen eine kleine Verschnaufpause zu gönnen.
Von hier aus noch 20 km bis zum Hotel, 15, 10. Auf den letzten 5 Kilometern stand die Sonne bereits so tief, dass sie ein goldenes Licht in die Allee warf, was eine herrliche Stimmung hervorzauberte. Erschöpft, aber glücklich sind wir dann im Hotel gelandet und haben den Abend in einem Italienischen Restaurant (in einem Fass sitzend) ausklingen lassen.
Von Braunschweig nach Bad Nenndorf, 108 km, 392 Hm
Autor: Simon
Ausgeruht nach der ersten Touretappe wurde mir der Ernst der Lage beim Frühstück erst klar. Jens meint das mit der Parisreise wohl doch ernst, er wolle heute wieder Radfahren. Welch ein Schock! So sehr, dass ich glatt soviel vom Frühstücksbuffet gegessen habe, dass die nachkommenden Familien nichts mehr übrig hatten. Danach wurden die 7 Sachen gepackt, und aus dem Hotel ging es dann dennoch frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk und auf dem Rad raus aus Braunschweig heraus Richtung Peine als erster Pausenort. Heute war uns das Wetter geneigter als gestern, trockener und weniger Gegenwind, so kamen wir rascher voran und die Kilometer purzelten nur so herunter.
Erster Pausenstopp war bei einem beschaulichen Entenspringbrunnen im Stadtpark von Peine. Kurz ausruhen, zweites Frühstück und technische Durchsicht der Arbeitsmaterialen. Dazu schnatternde Kommentare der Enten, wer weiß was die von uns dachten. Nak Nak. Ab Peine war der Weg bisher schon einmal befahren und bekannt. Ab da ging es allerings dann auf unbekannten Pfaden und soweit wie ein Simon noch nie von Zuhause mit dem Rad gefahren ist. Die unbekannten Pfade brachten immer wieder unseren Navigator zu kurzfristigen Kursänderungen und Richtungswechseln. Wahrlich das mir versprochene Abenteuer! Mir kam dabei die besondere Aufgabe zuteil, die fallengelassene Technik von Jens zu melden, da er auf freien Feld zu gerne die Kamera zückt, um die idylische Landschaft sowie die euphorischen Gesichter von uns zu fotografieren. Auch wurde auf diesem Streckenverlauf unsere Drohne zur Arbeit verdonnert. Wunderschöne actionlastige Begleitaufnahmen von Aufholjagden durch Wälder und Felder, so krass, Mast um Mast weichte die Drohne aus für die besten Aufnahmen. Nur ein Baum hielt unsere Drohne auf, stürzte ab und so wurde sie unfreiwillig in einem Rinnsal getauft. Sie erhielt sodann den Namen Flukas. Nach der geglückten Bergung und einem ersten Check wurde Flukas zum Ausruhen und Trocknen wieder in der Tasche sicher verstaut. Keine Angst, er hat es gut überstanden.
Die Fahrt führte weiter nach Hannover zu einem Radladen, in dem ich noch einiges an Ausrüstungen ersteigern wollte, leider hatten sie dort nicht das, was ich suchte und brauchte. Zum Glück gab es aber noch eine zweite Filiale in der Stadt. Ein kleiner machbarer Umweg, dieser führte uns eh durch die City, die durchaus ein schönes Fahrradwegekonzept (eigene Wege und Ampeln) hat. Eine kurze, wohlverdiente Rast noch beim Maschsee eingelegt, um den Vibe mal einzufangen und die Blicke über das Wasser schweifen zu lassen. Weiter durch die Stadt zur zweiten Filiale, dort angekommen fand ich all die begehrten Utensilien, und wurden prompt gekauft. Kurz darauf ein kleiner Umbau am Lenker der auf lange Sicht mehr Komfort auf meinem noch jungen Bike bringen sollte.
In der Stadt kommt man allerdings nicht so gut voran. Die heutige Fahrt sollte also kilometer- und zeitintensiver werden als die erste. Also ab Richtung Unterkunft, 40 km standen noch vor uns, 65 km hatten wir schon auf der Habenseite. Da mein weiterer Job auf dieser Tour daraus bestand, Points of Interest herauszusuchen, standen noch ein Hindutempel in Hannover und eine Mühle kurz vor der Ziellinie auf dem Plan. Jens als vorrausfahrender Streckennavigator fuhr am Tempel eigenwillig und unwissend vorbei. Na gut, er wollte wohl einfach weiter und zum Ende kommen. Darauf angesprochen fand er immerhin im nächsten Dörfchen noch einen Halt bei einer Kirche der 10.000 Ritter, nicht ganz das gleiche aber immerhin auch was religiöses. Die letzten Streckenkilometer kam doch nochmal kräftiger Gegenwind auf, der alles von uns abforderte. Die Windmühle als letzten Anfahrtspunkt hat Jens voller stolz schon in der Ferne ausmachen und gezielt anfahren können. Sehr schick und eindrucksvoll und auch ein wenig gruselig, leider war keine Zeit für eine Führung. Kurz darauf kamen wir an der heutigen Unterkunft an. Endlich, ein langer Tag geht vorbei. Jetzt heißt es Kräfte sammeln, Material sichten und die morgige Tour vorbereiten. Ich befürchte, Jens will weitermachen und wieder Radfahren. Ich begleite ihn lieber vorsichtshalber.
Von Magdeburg nach Braunschweig, 94 km, 657 Hm
Autor: Jens
Endlich ist es soweit, das schier endlose Warten auf den Start der Tour ist vorbei. Die letzten Trainings mit Simon waren schon vielversprechend, nachdem ich ihn u.a. durch den Harz gejagt habe, um die Grenzen auszuloten. Aber hat er gut absolviert.
Die letzten Tage war ständig ein Tab mit der Wettervorhersage für heute geöffnet und es sah wahrlich nicht nach einer leichten ersten Etappe aus. Gegenwind, relativ frisch und sehr wechselhaftes Wetter waren vorhergesagt. Korrekt, wie sich heute zeigte.
Bereits am Frühstückstisch ließ ein aus dem Fenster schweifender Blick nichts Gutes erahnen. Die Anfahrt zum Magdeburger Dom, Start unseres Vorhabens, verlief aber trocken. Dort angekommen warteten schon die ersten Schaulustigen. Schnell noch ein gestelltes Foto für die Medien, von allen verabschiedet und schon ging es fast pünktlich um 9:01 Uhr los.
Weil das Wetter bereits nach Regen aussah und die Luft noch kühl war, sind wir in voller Montur gestartet. Bei leichtem Regen und konstantem Gegenwind hat der Temposchnitt etwas gelitten. Aber das war völlig in Ordnung, Zeitdruck hatten wir nicht und die erste Etappe wollten wir nicht überreißen, um uns nicht für die nächsten Tage zu verschleißen.
Auf Höhe Eilsleben zog ein Schauer in unsere Bahn. Eine überdachte Haltestelle nutzen wir, um diesen auszusitzen und kamen gleich noch mit einem anderen Radler ins Gespräch. Ein paar Snacks gegessen und schon ging es weiter gegen den Wind.
Alle meine bisherigen Touren hatten eher die sportliche Komponente im Vordergrund. Dieses Mal wird es etwas anders, da Simon angemeldet hatte, ein paar Sehenswürdigkeiten auf der Strecke zu besuchen. Nachdem ich im Eifer des Gefechts an der ersten direkt vorbeigefahren bin, hielten wir dann beim Großsteingrab (Stonehenge light). Die Anordnung der Steine gab uns praktischerweise gleich Schutz vor dem nächsten vorüberziehenden Schauer.
Die nächste Einkehr war an der Lutterquelle. Ein sehr idyllisches Fleckchen Erde. Auch hier ließ der nächste Schauer mit Gewitter und Hagel nicht auf sich warten. Wir fanden aber Schutz, zusammen mit Wanderern und anderen Radlern, in einer Grillhütte.
Der Rest verlief unspektakulär. Beim Eintritt in die Stadt merkt man wieder einmal, wie entspannt die Fahrt über Land ist. Angekommen im Hotel haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht. Simon scheint noch ein Stück davon entfernt zu sein, aufzugeben, ich bin auch noch verhältnismäßig fit und so werden wir jetzt noch einen Happen essen und die morgige Etappe unter Einfluss der heutigen Erfahrungen planen. Also alles schick bis hierhin.
Autor: Simon
Zum krönenden Abschluss der Trainingssession wurde eine offizielle Radtour auserkoren. Die Tour de Hexe, 64 km und 900 Höhenmeter in und um Vatterode im Harz rauf und runter fahren.
Ich habe mich erst Tage zuvor endlich dem Gravel-Druck ergeben und ein entsprechendes Bike zugelegt. Zeit wurde es! Diese offizielle Tour war natürlich die absolute Feuertaufe. Aber dennoch Räder aufs Dach und los gings nach Vatterode zum Start. Dort traf man auch auf den Vadder von Jens, der diese kleine spaßige Ausfahrt traditionell mitmachen wollte.
Das Wetter an diesem Tag war perfekt für eine Radtour, weder zu kalt noch zu warm, wenig Wind und auch trocken. Am Start wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, ringsherum wurden von den anderen Teilnehmern Bananen verspeist, die Radklamotten angezogen, Startnummern befestigt und das Vorher-Bild geschossen.
Jegliche Fahrradart war zu sehen, Rennräder, Gravel, Trekking, manche auch mit der E-Unterstützung. Zuerst schossen die Fahrer der 119 km Route pünktlich um 10 Uhr los. Danach schoben wir uns voller Euphorie an die Startlinie. Der Countdown zählte runter und los gings. Oder auch nicht, da es eine Weile dauerte, bis sich alle Fahrer in Bewegung setzen konnten. Solch ein Event ist eben etwas anderes, als wenn man nur zu zweit loslegt.
Das Feld zog sich langsam auseinander, und an den ersten langen Anstiegen konnte man so manchen überholen, aber musste sich auch von anderen überholen lassen…Diese E-Unterstützung 😉.
Wir fuhren zu dritt ein anständiges Tempo und kamen gut voran, die Strecke war ausgeschildert. Wenn die Schilder auch standen, einmal ging es in den Wald. Das fühlte sich ungewohnt an. Kurzer Vergleich mit der digitalen Route und es war klar. Okay, wir mussten zurück und eine andere Kurve nehmen. Auf dem Weg zurück sammelten wir auch unsere Verfolger ein. Aha! Die Streckenschilder lagen umgekippt in der Wiese, sozial wie wir sind, haben wir diese auch wieder richtig aufgestellt.
Weiter gings durch Dörfer voller Zuschauern mit Kuhglocken zum Anfeuern, vorbeiziehenden Schafherden, idyllischen Ackerlandschaften und Wäldern, natürlich immer verziert mit Steigungen und manchmal auch Gefällen, wo man ordentlich die Geschwindigkeiten hochtreiben konnte. Nach gut der Hälfte gab es einen kurzen Halt am Versorgungsdepot, voller Süßigkeiten zum Essen, das Trinken wurde aufgefüllt und weiter gings. Immer wieder zogen Gruppen von Rennrädern vorbei, die sich gegenseitig zum Durchhalten und Tempo pushten. Ein motivierender Anblick dieser „Profis“.
Nach gut 3,5 Stunden kamen wir drei solide ins Ziel, bekamen eine Teilnehmermedaille für unsere Anstrengungen. Dazu gabs Kuchen, Erbsensuppe und Getränke zur Stärkung. Das Nachher-Foto wurde stolz getätigt und wie üblich die Pulswerte miteinander verglichen. Wie unterschiedlich so eine Ausfahrt und die Wahrnehmung für jeden sein kann.
Nichtsdestotrotz wurden mit diesem Event die Trainingsvorbereitungen gebührend abgeschlossen und als nächstes steht das Gravel-Abenteuer nach Paris an.
Autor: Jens
Um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie sich unsere Route zum Eiffelturm anfühlen wird, hatte Simon vorgeschlagen, die erste Etappe schon einmal als Training zu fahren. Gesagt, zeitlich geplant und heute umgesetzt.
Die Tage davor blickte ich immer wieder auf das Wetter und dieses sollte uns wohl gesonnen sein. Trocken, gute Temperaturen und vor allem guter Rückenwind waren vorhergesagt. Und genau so zog es sich auch zu. Nachdem wir vor zwei Wochen die ersten etwa 20 km der heutigen Tour bereits bei kaltem Regen und Gegenwind gefahren sind, fühlte es sich heute schon fast locker und leicht an.
Während des ersten Zwischenstopps, nachdem sich bei einer Abfahrt etwas in Simons Antrieb verheddert hatte, musste ich feststellen, dass sein Rad eine technische Überholung braucht. Bergab hörte ich öfter von ihm ein lautes "Fahr!". Bis dahin dachte ich, dass er leichter rollt als ich vorn gegen den Wind, aber seine Bremsen gingen einfach nicht, wie ich bei einer kurzen Inspektion herausgefunden hatte. Naja, nicht ganz so schlimm, aber es muss was dran gemacht werden.
Weiter ging es bei Sonnenschein weiter und wir wurden mehr oder weniger vom Wind getragen. Zwischendurch kam mir der Gedanke, man könnte es "Whiskey-Tour" nennen. Ein leicht schwebendes Gefühl, mit viel Genuss :)
Kurz vor Peine schellte Simon seine Klingel und verkündete, dass er gerade seine ersten 100 km an einem Tag auf dem Rad geschafft hatte. Glückwunsch und willkommen im Club der "richtigen" Fahrradfahrer! Darauf kann man schon stolz sein, gerade, wenn man erst seit einigen Monaten auf solch ein ehrgeiziges Ziel hinarbeitet.
Das Tagesziel wurde im Zeitplan erreicht und auch für mich war es eine wichtige Tour, um auszutesten, ob mein neues Rad zu mir passt. In Peine sammelte uns Sandra mit dem Auto ein, wir verluden die Räder auf das Auto und fuhren nach Hannover, um dort noch etwas zu Bike-Shoppen und uns auf alle Eventualitäten auf der großen Tour vorzubereiten.
Der Trainingsplan steht, kleine und auch die ersten größeren Runden sind absolviert. Auch eine Runde mit Gepäck (Wasserflaschen in den Taschen) ist geschafft, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie anders sich das Fahrrad damit verhält.
Irgendwann im Sommer 2025 kam mir die Idee, für 2026 mal eine Tour für eine Woche zu machen. 1.000 km klangen für mich nach einer machbaren Größe. Also warf ich einen Blick auf die Landkarte, steckte den Radius ab und da war ein markantes Ziel auf dem Kreis: Paris. Klar, warum nicht, den Eiffelturm kennt jeder, die Saat des Gedankens war gelegt.
Als ich das erste Mal mit meiner Partnerin darüber sprach, kam ihr in den Sinn, dass da jemand in unserem Bekanntenkreis ist, den ich fragen könnte, ob er nicht auch Lust darauf hätte. Und Simon sagte zu, nachdem ich ihm mehr oder weniger klar machte, dass wir zusammen fahren werden. Die Aussicht auf den Besuch des Disney Lands am Ende der Tour wischte dann große Teile des Zweifels seinerseits vom Tisch.
Da Simon bisher keine Strecke dieser Dimension gefahren ist, werden wir über zwei Wochen fahren. Das sollte trotz der etwa 1.000 km gegen den Wind zu schaffen sein. Aktuell trainieren wir fleißig und arbeiten uns bei den Streckenlängen langsam nach oben.