Den deutschen Teil des Europaradwegs R1
1.033 km, 5.466 Hm
11.10.2026 - 18.10.2026
Gefahrene km (gesamt): 1.033
Höhenmeter (gesamt): 5.466
Durchschnitt inkl. Pausen: 17,2 km/h
Durchschnitt Etappe: 129 km
Zeit im Sattel: 53 Stunden
Anstiege: 45 / 45
Speichenbrüche: 0
Reifenpannen: 0
Bananen-Zähler: 0
Verschluckte Insekten: 0
Gepäck: 20,7 kg
Von Berlin nach Küstrin, 133 km, 501 Hm
Die letzte Etappe stand an. Die Wetterprognose meinte, kurz etwas Regen, dann nur noch Gegenwind.
Da die Unterkunft im südwestlichen Teil Berlins lag, dachte ich, dass ich ein paar Kilometer radeln würde und dann raus wäre aus der Großstadt. Diese paar Kilometer zogen sich aber ziemlich und drückten durch die vielen Ampeln und Spurwechsel meinen Schnitt auf zwischendurch 14 km/h. Bei der geplanten Strecke entsprach das fast 10 Stunden Fahrt.
Da ich, wie bereits in einer früheren Etappe erwähnt, wenig vorbereitet in das Unterfangen gegangen bin, entfiel mir auch, dass heute eine Fähre auf der Strecke lag. Die vor 5 Minuten abgefahren ist und nur alle 20 Minuten fährt. Zu lange für mich, als dass ich das aussitzen wollte. Ein Blick vom Steg nach links und rechts ließ eine unweite Brücke erkennen. Kurz abgeschätzt, dass der Weg darüber schneller sein würde, als auf die Fähre zu warten.
Anders als im Windschatten der hohen Gebäude der Stadt, sollte ich hier einen Vorgeschmack des Gegenwindes erfahren, als ich über die frei liegende Brücke fuhr. Fast direkt hinter der Brücke ging es dann wieder in einen bewaldeten Park. Leider wurde exakt auf meinem geplanten Weg ein Rohr verlegt, was diesen unpassierbar machte. Parallel dazu gab es allerdings eine Alternative. Weiter drin im Park dann die nächste Überraschung: ein Halbmarathon. Die Flut an Läufern (ich befand mich ein paar hundert Meter hinter dem Start) ließ einige Zeit kein Durchkommen zu. Zeit, mich mit einem herannahenden Radler zu unterhalten. Er war gerade auf einer 100 km Runde, teils auch auf dem R1. Knapp 8 km fuhren wir zusammen und tauschten uns rege aus. Ich bin mir nicht sicher, ob er das Tempo anzog oder ich. Schwäche zeigen ist in solchen Situationen jedenfalls keine Option. Und so trieben wir zumindest meinen Schnitt wieder deutlich nach oben.
Hinter dem Großraum Berlin ging es dann auf recht freien Flächen über Felder weiter. Der Wind blies mir ins Gesicht und kostete mich reichlich Energie. Brutal waren dann noch die etwa 15 letzten Kilometer vor dem Ziel, denn da ging die Route direkt oben auf dem Oder-Damm entlang, den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert. Dummerweise hatte ich Sandra eine Stunde vorher noch mitgeteilt, dass ich in 60 Minuten da sein würde. Das verschaffte mir noch etwas mehr Druck.
Mit ziemlich leeren Beinen und Bauch empfing sie mich am vereinbarten Parkplatz und schoss das Zielfoto. Dann fix die Taschen vom Rad genommen und das Rad selbst auf das Auto montiert. Zur Belohnung ging es kurzerhand zu Mäcces gleich in Sichtweite, bevor wir die Heimreise antraten.
Und damit endet ein weiteres Kapitel der Radfahrgeschichten. Zusammenfassend kann ich sagen, dass der deutsche Teil des R1 aus meiner Sicht unterschätzt ist. Er bietet ein sehr großes Spektrum an Abwechslung, was mir sehr gefallen hat. Die komplette Strecke geht übrigens von Galway in Irland bis Moskau. Mal sehen, vielleicht ergeben sich ja irgendwann in den nächsten Jahren weitere Abschnitte.
Jetzt werde ich mich aber erst einmal ausruhen und die vielen schönen Momente Revue passieren lassen. Vielen Dank an alle Supporter dieser Tour, ob es Likes, Kudos, Reaktionen, Nachrichten oder das Bereitstellen einer Unterkunft waren. Das hat mir sehr geholfen! Danke an jeden Einzelnen von euch!
Von Niemegk nach Berlin, 123 km, 558 Hm
Auf in die vorletzte Etappe! Nach einem sehr kulinarischen Frühstück ging es in ein sehr düsteres Wetter. Der Tagesanbruch verschob sich bereits merklich. Die Prognose: Nieselregen und Gegenwind. Dazu kam, dass nach einem geschmeidigen Zieleinlauf gestern Abend nun die Revenge folgte. Offenbar lag die Unterkunft in einem Tal, das es am frühen morgen zu verlassen galt. In Anbetracht des Wetters eine kleine mentale Herausforderung. Drei Kreuze, als ich nach 11 km wieder auf dem Track war.
Ehrlich gesagt, war heute die einzige Devise: durchhalten. Was gestern der Sonnenschein an so vielen tollen Fotos hervorbrachte, war heute durch knapp 8 Stunden Fahrt im Nieselregen ins Gegenteil gekehrt. Mal mehr, mal weniger, aber immer Nieselregen. Selbst die ERA (erweiterte Regen-Ausrüstung), die aus einem zusätzlichen Cap mit einem Schirm bestand, der die Brille vor Nässe schützen soll, hatte der Herausforderung nicht mehr standgehalten. Zu fein der Niesel, als dass der Schirm hätte schützen können.
Sicher wären sonst einige tolle Bilder in Potsdam oder Berlin entstanden, stattdessen nur Grau in Grau. Doch auch das gehört zu solch einer Tour dazu. Akzeptieren, denn ändern kann man es eh nicht. Und so biss ich mich durch. Spätestens in Berlin waren meine 4 Lagen Trikot dann auch durch. Die Hose hat gehalten, aber die Arme waren klamm.
Daher gibt es heute auch nicht so viel zu erzählen. Am Ende der Etappe hatte ich jedoch den Lichtblick, Sandra im Hotel treffen zu können. Sie war die letzten zwei Tage auf einer Weiterbildung in Berlin und so bot es sich an, im selben Hotel zu übernachten.
Morgen dann also die letzte Etappe mit etwa 130 km. Dann hoffe ich mal, dass auch da noch alles gut geht :)
Von Magdeburg nach Niemegk, 151 km, 582 Hm
Da der Tag zu Hause begann, musste ich ausnahmsweise mal auf den Luxus eines bereits fertigen Frühstücks verzichten. Man hat's nicht leicht! Trotzdem war ich schon zeitiger auf dem Drahtesel als die restlichen Tage.
Nachdem mir fast vor der Haustür noch ein Transporter mit Vollgas die Vorfahrt nehmen wollte, ging es dann endlich wieder raus aus der Stadt. Ich bin ja jetzt schon durch einige Städte gefahren, aber solch ein Kampf zwischen den Verkehrsteilnehmern wie in Magdeburg habe ich nicht erlebt.
Diese Ereignisse lenken etwas von der Schönheit des Morgennebels ab, der auf dem Damm nach Plötzky einfach bezaubernd war. Ab hier folgten mal ruhigere Abschnitte, aber auch Strecken an und auf mehr befahrenen Straßen entlang. Das war aber dem Umstand geschuldet, das ich durch den Umweg über Magdeburg noch nicht wieder auf dem R1 war. Nach 70 km und Gegenwind, die mir ziemlich viel Kraft geraubt hatten, kam dann der ersehnte Einstieg auf die originale Route bei Dessau. Ab hier konnte ich wieder die Stille der Natur genießen. Es ging durch Wörlitz und Oranienbaum, die beide eine Reise wert sind. Das bunt gefärbte Laub zu der Jahreszeit und der Sonnenschein ließen mich wieder aufheitern.
Völlig überraschend, weil ich die Route im Vorfeld kaum recherchiert hatte, trat plötzlich ein Schild mit der Aufschrift "Ferropolis" vor meine Augen. Ich hatte keine Ahnung, dass das auf der Strecke lag. Vom Weiten war bereits ein stillgelegter Tagebaubagger zu sehen. Als der Tourverlauf wieder weg von dem Freiluftmuseum führte, entschied ich mich, die paar Kilometer noch auf mich zu nehmen und weiter ran zu fahren. Das Gelände, das u.a. für Festivals genutzt wird, war zwar recht weiträumig abgesperrt, aber ein paar Fotos und eine kleine Pause konnte ich noch machen.
Ab hier ging es die letzten 50 km mit Rückenwind Richtung Unterkunft. Vier Anstiege noch und schon war ich dort. Das dürfte heute mit 151 km die längste Etappe gewesen sein. Jetzt fehlen noch rund 250 km für die letzten zwei Tage. Das sollte machbar sein. Aber wie jeden Abend - Wetter checken und nächste Etappe planen...
Von Blankenburg (Harz) nach Magdeburg, 110 km, 703 Hm
Heute stand eine besondere Strecke bevor. Wenn man so will, From Home to Home, also meiner Geburtsstadt zu der, in der ich inzwischen über mein halbes Leben lang wohne. Wie eingehend erwähnt, wich die Tour heute vom R1 ab, da in Magdeburg eine Bandprobe war, bei der ich nicht fehlen wollte. Und dennoch war ich erstaunt, wie dicht der R1 an Magdeburg vorbei führt.
Geprägt war die heutige Etappe nach einem kühlen Start von viel glattem Boden und einer guten Portion Rückenwind und viel Sonne. Da weite Teile wieder über alte Bahntrassen und Felder führten, hatte ich gar keine Sorgen, es rechtzeitig zur Probe zu schaffen, sondern wurde mit einem sanften Schubs ans Ziel befördert. Streckenweise konnte ich über ein paar Minuten lang mit 35-40 km/h radeln. Rückenwind hatte ich zwar die letzten Tage meist auch, aber durch die aufgeweichten Waldböden büßte mir das um die 3 km/h im Durchschnitt ein.
Auf der Strecke sind mir, wie bereits gestern, einige Häuser aufgefallen, die sich auch den Reformationstag vorbereiten. Was der mit Kürbissen und Gespenster zu tun haben soll, bleibt mir zwar ein Rätsel, aber das kann ja jeder interpretieren, wie er mag. Schön anzusehen war es jedenfalls ;)
Gegen 13:30 Uhr erreichte ich schon die Tore der großen Stadt. Kurz hatte ich überlegt, einen spontanen Besuch in der Firma zu machen, aber dann ist mir noch rechtzeitig eingefallen, dass ich ja Urlaub habe. Puh, gerade nochmal gut gegangen.
Zuhause angekommen tropfte mir schon der Zahn. Jetzt einen Döner! Also fix unter die Dusche und das Objekt der Begierde geholt und schmecken lassen. Am Abend dann noch zur besagten Bandprobe. Wieder einmal war ich erstaunt, was man für eine Beschleunigung auf dem Rad hat, wenn man nach 5 Tagen mal ohne Gepäck fährt. Doch eine Beobachtung habe ich gemacht. Hatte ich vor der Tour eher Sprint-Qualitäten, scheint sich der Körper nun auf Ausdauer umgestellt zu haben. Nach kurzen, kraftvollen Sprints waren die Beine schnell leer.
Jetzt geht es noch an die grobe Planung der letzten 3 Etappen. Mit leicht erhöhter Schwierigkeit: für die ersten 5 Tage brauchte ich im Schnitt 123 km pro Tag, für die restlichen 3 Tage sind es 134 km. Und morgen größtenteils Gegenwind. Aber das wird schon, soll ja auch eine Herausforderung sein ;)
Von Einbeck nach Blankenburg (Harz), 113 km, 1128 Hm
Der heutige Tag begann wenig erquickend. Nachdem ich nachts schon öfter durch Kopfschmerzen wach geworden bin, schellte der Wecker und die Kopfschmerzen waren noch im vollen Gange. Ich wusste nicht, ob sie vom Magen, der sich noch nicht auf die Anstrengung eingestellt hatte, oder von der Verspannung in der Schulter kamen. Der Gedanke kam auf, heute noch irgendwie bis nach Blankenburg zu fahren, maximal bis Magdeburg, und dann abzubrechen. Glücklicherweise verschwanden die Schmerzen nach einer Ibu, einer langen heißen Dusche und dem Frühstück. Da es mir sonst recht gut ging, tippe ich, dass es von der Verspannung kam.
Der Morgen erwachte und durch die hohe Lage des Hotels bot sich eine fantastische Sicht auf die im Nebel liegende Stadt. Da habe ich mir sogar die zwei Minuten genommen, um draußen beim Blick aufs Tal zwei Minuten inne zu halten.
Nach der zügigen Fahrt bergab bot sich der nächste grandiose Blick in die Landschaft durch den sonnenbeschienenen Nebel. Da mussten einfach noch ein paar imposante Fotos gemacht werden.
Im weiteren Tagesverlauf verzog sich der Nebel allmählich und die Sonne blieb. Durch das ständige Auf und Ab (heute 12 größere Anstiege) war ich ziemlich oft damit beschäftigt, meine Überjacke an- und auszuziehen.
Gut in der Zeit und mit ordentlich Rückenwind, jedenfalls auf freien Flächen, gönnte ich mir heute etwas mehr Pausen, die ich teilweise auch dafür nutzte, ein paar Drohnenaufnahmen zu machen. Einmal hatte ich zwar nach einer interessanten Perspektive vergessen, die Aufnahme zu starten, aber sie hatte noch genügend Strom für weitere Clips (siehe WhatsApp Status / Instagram).
Ziel war für diese Etappe ja mein Elternhaus in Blankenburg. Da meine Eltern aktiv meine Route mitverfolgen, konnten sie ziemlich gut abschätzen, wann ich ankommen werde und standen schon wie zwei Paparazzi mit Kameras und einem Luftballon auf der Straße. Verrückte Eltern ;)
Mit dem dortigen Eintreffen habe ich zeitgleich die Halbzeit erreicht. Ein wichtiger Meilenstein. Für die morgige Etappe bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich die geplante Strecke fahre oder etwas abkürze. Das wird sich anhand der Wetterprognose entscheiden. Zeitdruck habe ich nicht gern bei solchen Unternehmungen. Daher, lasst euch überraschen!
Von Detmold nach Einbeck, 120 km, 1079 Hm
Etappe Nummer 3 begann sportlich. Quasi direkt hinter dem Hotel lauerte der erst Anstieg auf mich. Und es sollte nicht der letzte bleiben. Gut, nun hatte ich mich gestern so nach Bergen gesehnt, allerdings hatte ich doch nichts von Gegenwind geschrieben, oder? Nun ja, wie ich lernen durfte, muss man auf solchen (oder schlimmeren) Touren sehr gut im Akzeptieren sein. Ändern konnte ich es eh nicht.
Da ich das Wetter für den heutigen Tag gestern Abend schon analysiert hatte, fiel die Entscheidung, diese Etappe etwas kürzer zu planen. Mein Hintern dankte es auch. Inzwischen über 20 Stunden im Sattel machen sich bemerkbar. Vielleicht hätte ich mich doch etwas besser vorbereiten sollen. Akzeptieren... ;)
Nachdem die ersten Höhenmeter durch absolute Stille, fernab jeglicher Zivilisation, erfolgreich absolviert waren, ging es talwärts Richtung Weser. Den Weser-Radweg bin ich vor einigen Jahren schon mit meinem Vater abgefahren. Durch den wirklich sehr guten Asphalt ließ es sich dort zügig vorankommen. Bis wieder die nächsten Berge auf dem Streckenabschnitt lagen. Meine gesamte Tour von West nach Ost hat insgesamt 45 nennenswerte Anstiege. 15 davon hatte ich allein heute. Einen weiteren Großteil werde ich voraussichtlich morgen serviert bekommen.
Landschaftlich sehr abwechslungsreich ging es durch Wälder, Dörfer und über Felder. Der bereits anfangende Herbst hatte das erste Laub gefärbt und die Radwege durch die Bäume mit einer Lage Bucheckern, Esskastanien und Blattwerk überzogen. Daher war etwas Vorsicht bei kurvigen Waldabfahrten geboten.
Kurz vor Einbeck hatte ich die Anstiegs-Liste genauer im Auge. Ein kurzer aber steiler Weg sollte noch kommen. Und so war es auch. Nummer 16 der gesamten Route. Noch einmal kräftig in die Pedalen getreten und ich war oben. Nun nur noch zu Unterkunft - Hotel Hasenjäger. Die Bilder beim Buchen hatten mich schon stutzig gemacht. Erstaunlich gute Aussicht.
Die letzten Meter zur Unterkunft lasse ich mich immer über Google Maps und einem Kopfhörer im Ohr leiten. Das war heute gar nicht schön, denn was die Stimme mir ins Ohr säuselte, war direkt den Berg hinauf. Und so hatte ich noch nach der ganzen anstrengenden Etappe einen Anstieg von bis zu 10% zu meistern. Und ich hatte Hunger. Beim Blick durch das Fenster war meine Befürchtung, dass das Restaurant heute geschlossen hat und ich noch einmal runter in die Stadt muss, um mir etwas zu Essen zu holen. Beim Empfang dann aber die Erlösung, das Restaurant öffnet 18 Uhr. Der Abend war gerettet.
P.S.: Schnecken-Update: Die Schnecke hat einen Brief in die virtuelle Mecker-Box geworfen. Auf alle Details will ich nicht eingehen, aber ein Punkt war ihr besonders wichtig. Bisher war sie 24/7, also ohne Pause, unterwegs und meinte irgendwas von Tierschutz und so. Nun gut, ich bin ja kein Unmensch. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass sie zwischen 9 und 19 Uhr kriecht und den Rest der Zeit schlafen darf.
Von Warendorf nach Detmold, 135,0 km, 400 Hm
Der Start in die heutige Etappe war grandios. Nach einem üppigen Frühstück ging es in die menschenleere Natur. Um die Nase war es noch etwas frisch, aber ich hatte ausreichend Kleidung eingesteckt und an diesem Morgen auch angezogen, sodass mir die morgendliche Kälte nichts anhaben konnte.
Wie ich bereits vorgestern feststellen musste, hatte ich mein Kettenöl vergessen. Einfach die Dose mit den Werkzeugen nicht ausreichend gecheckt. Da heute der erste verkaufsoffene Tag war, ging es direkt zum nächsten Fahrradladen, der um diese Zeit schon auf hatte. Denn meine Kette fing schon leise an zu wimmern und lechzte nach Öl. Dem Ruf folgend gab ich, was sie verlangte und siehe da, aus einem reibend bremsenden Antrieb wurde eine neue Leichtigkeit. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich einen akustischen Impuls der Freude darüber nicht unterdrücken konnte.
Nachdem dieses kleine Highlight des noch jungen Tages verhallte, ging es weiter durch einen beachtlich höheren Anteil an Wäldern als gestern. Waldbaden bei sonnigem Wetter im Herbst. Sicher auch für einen warmen Sommer im schützenden Schatten des Laubes geeignet. Einige Waldwege waren durch kürzlich vergangene Forstarbeiten etwas matschig, das tat dem Genuss der frischen Waldluft aber kein Abbruch.
Die Wegbeschaffenheit, etwas schwächere Beine vom Vortag und der deutlich schwächere Rückenwind ließen auch die Durchschnittsgeschwindigkeit etwas sinken. Ich hatte aber keinen Zeitdruck und so radelte ich einfach in konditionsgerechter Geschwindigkeit weiter.
Zum Schluss der Etappe gab es noch ein kleines Highlight: endlich "Berge"! Nach 200 km erfreut es das gebürtige Harzerherz, auch mal ein paar Höhenmeter auf kürzere Distanzen bestreiten zu können. Und so stand vor der Zieleinfahrt noch ein kleiner Anstieg bevor. Natürlich nicht ohne anschließende Abfahrt ins nächste Tal bis nach Detmold. Und dort endete auch schon die zweite Etappe dieser Tour.
P.S.: Da Fragen zur Schnecke auf der Karte aufkamen: Ich habe (leider) während der Tour zwei Deadlines: die Band-Probe am Donnerstagabend und die Rückfahrt am Sonntagabend. Die Schnecke kriecht kontinuierlich weiter, gerade in dem Tempo, das ich mindestens haben muss, um diese Deadlines nicht zu reißen. Ich sollte also immer vor der Schnecke sein ;)
Von Vreden nach Warendorf, 145,7 km, 515 Hm
Nach einem sehr guten Hotelfrühstück habe ich mich in Schale geschmissen. In Regenschale. Denn am Morgen hörte ich noch durch das Fenster, wie es draußen goss. Aber Petrus scheint es gut mit mir gemeint zu haben, denn als ich alle meine Sachen am Rad montiert hatte, hörte es auf und sogar die Sonne kam raus. Kein schlechter Anfang.
Da ich mir nicht vorhalten lassen wollte, ich wäre nicht den gesamten deutschen Teil des Europaradwegs gefahren, machte ich mich also noch einmal zurück zum Startpunkt. Satte 300 m kostete mich die Anreise vom Hotel aus. Das obligatorische Starterbild war nach dem Drapieren des Rades vor dem Grenzschild schnell im Kasten, ein Vorbeiradelnder wünschte mir noch eine gute Reise und schon ging es los.
Schnell bog die Route von der Hauptstraße ab (die kaum befahren war) in einen Wald und über Felder. Die Sonne zauberte ein herrliches Licht auf den noch nassen Boden zwischen den letzten wegziehenden Regenwolken durch.
Ein Blick auf meinen Puls verriet mir, dass doch einen gehörige Portion Euphorie in mir steckt? Oder war ich einfach untrainiert? So richtig vorbereitet hatte ich mich auf die Tour nicht. Aber es lief. Die erste Pause hatte ich nach genau 50 km gemacht. Ein Schluck Apfelsaft durfte natürlich auch nicht fehlen. Noch einmal das Hinterrad aufgepumpt und weiter ging's.
Bis hier hin kann ich schon einmal sagen, dass der Europaradweg viel Abwechslung bietet. Von den Wegarten war bisher alles von aalglattem Asphalt bis Waldweg dabei, aber alles ohne Probleme befahrbar. Bei einigen Städten ging es direkt durch das Zentrum, auch nett anzusehen. Und die ein oder andere Stelle habe ich sogar wiedererkannt - Teile bin ich im Mai mit Simon in die andere Richtung gefahren. Praktisch, da wir uns das alles schon angesehen hatten, konnte ich einfach weiter radeln ;)
Bis Mittag, Punkt 12 Uhr, hatte das Wetter durchgehalten, erst dann kamen die ersten Regentropfen, die im weiteren Verlauf an Intensität leicht zunahmen. Da ich aber mein Outfit nicht gewechselt hatte, konnte mir das gar nichts anhaben.
Für eine zweite Pause wollte ich wenigstens die 100 km voll haben und mir dann etwas Gemütliches suchen. Und es wurde langsam höchste Zeit, die Beine brauchten neue Energie. Doch es kam nichts. Erst in Münster habe ich mich in eine Bushaltestelle gesetzt und mir Apfelsaft und Kekse hineingestopft. Die nächsten Tage muss ich eher auf meinen Körper hören, denn bis die Beine wieder halbwegs Leistung brachten, vergingen einige Kilometer. Und so zogen sich die letzten etwa 30 km ziemlich. Als ich wusste, dass es nur noch 10 km bis zum Hotel waren, ging, zumindest gefühlt, die Geschwindigkeit noch einmal rauf. Und dann war sie da - die Unterkunft. In der ich nun sicher gut, tief und fest schlafen werde. Also gleich, nachdem die morgige Etappe geplant wurde.
Von Enschede nach Vreden
Die Anreise zum Start verlief weitestgehend problemlos. Der FlixBus ist in Magdeburg pünktlich abgefahren und überpünktlich in Enschede angekommen. Ab da ging es noch knappe 30 km zum Hotel, das keine 500 m vom Startpunkt entfernt liegt.
Das Rad hat die Busfahrt gut überstanden und die Taschen waren fix am Gepäckträger montiert. Nur das Wetter sollte mir einen Strich durch die reibungslose nullte Etappe machen. Ziemlich windig und dann gesellte sich noch Regen hinzu. Da ich mit ungefähr 1,5 Stunden Radfahrt gerechnet hatte, entschied ich mich für die gesamte Regenmontur. Wie sich nur wenige Minuten später herausstellte, war es die richtige Entscheidung. Denn der Regen wandelte sich zu einem ausgewachsenen Schauer.
Offenbar interessierte das die hiesigen Radler nicht. Ich war der einzige in neongelben Regenklamotten. Trotz der Widrigkeiten bin ich aber wieder einmal in den Genuss der niederländischen Fahrradinfrastruktur gekommen. Genau bis zur deutschen Grenze, an der mich ein "Radweg-Schäden" Schild begrüßte.
Nun gut, eigentlich wollte ich noch gar nichts vor der eigentlichen Tour schreiben. Daher an dieser Stelle nur ein kleines Intro. Jetzt werde ich meinen Magen füllen, das morgige Wetter studieren und die erste Etappe planen.
Die diesjährige Tour mit Simon nach Paris war schon ziemlich zeitig im Jahr. Da ich zum Aufrechterhalt der Motivation gern längere Touren plane, brauchte ich also noch etwas für die zweite Hälfte. Irgendetwas, was ich allein in einer Woche, denn auch ich habe bedauerlicherweise nicht unendlich viel Urlaub, schaffen kann. Aus meiner Deutschland-Umrundung hatte ich gelernt, dass 1.000 km in einer Woche durchaus gut möglich sind. Den R1 hatte ich schon eine Weile auf dem Schirm, war mir aber nicht bewusst, dass er genau in dieses Fenster passt.
Und so war der Plan geschmiedet. Mit einer kleinen Anpassung: am Donnerstag muss ich in Magdeburg wegen einer Bandprobe sein. Das werden sportliche drei restliche Tage, aber das bringt auch ein Stück Spannung in das Vorhaben ;)