Mit dem Rad zum Brocken
93 km, 1.223 Hm
01.08.2026
Gefahrene km (gesamt): 93,97
Höhenmeter (gesamt): 1.223
Durchschnitt exkl. Pausen: 18,3 km/h
Zeit im Sattel: 5:08 h
Speichenbrüche: 0
Reifenpannen: 0
Bananen-Zähler: 0
Verschluckte Insekten: 0
Umgefallene Beifahrer: 0
Von Deersheim auf den Brocken und zurück, 93 km, 1.223 Hm
Autor: Jens
Herzlich willkommen bei einer neuen Episode von: Abenteuer, Spaß und Unvernunft.
Nachdem ich einige Wochen zuvor schwärmte, wie toll Nachtfahrten bei sommerlichen Temperaturen sein können, war bei Simon die Lust geweckt. Einige Ideen für eine geeignete Runde kreisten in meinem Kopf herum. Über Land, durch Wälder, an der Elbe entlang. Doch dann kam die zündende Idee. Einst hatte Simon den Wunsch, ein neues Profilbild von sich auf dem Brocken zu machen, um sein heroisches Wesen in die Welt zu tragen. Beim ersten Versuch vor ein paar Monaten durchkreuzte leider ein gerissener Bowdenzug den Plan während der Umsetzung.
Ein Wochenende mit sommerlichen Temperaturen war gefunden. Und da ich am Abend wegen eines Auftritts mit "Die letzte Band der Welt" eh in der Nähe des Harzes war, bot es sich an, gleich danach von dort aus (Deersheim) aufzubrechen. Akribisch durchgeplant erfolgte der Start nach 3 Stunden Gehüpfe auf der Bühne nur zwei Stunden verzögert. Ziel: Den Sonnenaufgang auf dem Brocken erleben. In meinem Kopf hatte ich schon die Szene: sternenklar ins Harzvorland schauend die erwachenden Städte beobachten. Oder von oben auf die Wolken, die sich wie eine Bettdecke über die Täler legt. Das kann nur idyllisch werden!
Doch der Reihe nach. Nach dem Auftritt mit der Band ist vor der Radtour. Zumindest heute. Einen Döner hatte ich mir am Nachmittag schon gekauft, um ausreichend Energie für das Vorhaben zur Verfügung zu haben. Simon hatte sich für die Nachtfahrt noch eine neue Stirnlampe zugelegt, die noch irgendwie an den Helm montiert werden musste. Ein kurzer Check, ein Starterbild und dann konnte es auch schon losgehen.
Die ersten Kilometer über Landstraßen und durch die schlafenden Dörfer verliefen sehr ruhig. Bei leichtem Gegenwind blitzten doch recht häufig die Augen nachtaktiver Tiere in unseren Scheinwerferkegeln auf. Ein Dachs, ein Wildschwein, Rehe und unzählige Katzen, die besonders gut zu erkennen waren.
Nach knapp 18 km saßen wir den ersten Regenschauer in Wernigerode unter einer Brücke aus. Um die Zeit nicht sinnlos zu vertrödeln, nutzen wir die Gelegenheit gleich, um zu Trinken und einen kleinen Snack zu uns zu nehmen. Simon hatte Salami-Sticks mit. Mit Koffein und Taurin. Das brachte mich etwas zum Grübeln. Sachen gibt's...
Direkt am Ortsausgang von Wernigerode ging es dann endlich los. Mein Navi kündigte den Anstieg an: 23 km mit durchschnittlich 3,6% Steigung. Langsam, aber beständig zogen wir uns den Berg hinauf. Um diese Uhrzeit (gegen 3 Uhr) ist die sonst viel befahrene Straße menschenleer. Nur zwei Männer, zwei Räder und das ein oder andere Gefluche. Das verhallte aber schnell in den Schluchten.
Als wir nach knapp 500 geschafften Höhenmetern auf Schierke zusteuerten, wurde es am Himmel kurzzeitig hell. Blitze. Genau aus der Richtung, in die wir wollten. Und wir schienen Gegenwind zu haben. Wir einigten uns, noch bis Schierke rein zu fahren und dann das Wetter-Radar zu studieren, um über den weiteren Verlauf des Abenteuers zu entscheiden.
Beim Einstieg in die Brockenstraße nutzten wir die letzte wetterfeste Bushaltestelle für die Lagebesprechung. Der Regen und das Gewitter ziehen nordwestlich des Brockens vorbei. Also ab auf die Räder und den Berg hoch kraxeln. Ab hier trafen wir die ersten Wanderer auf der Strecke, die wohl das gleiche Ziel hatten - den Sonnenaufgang auf dem Brocken zu erleben. In der langsam einsetzenden Dämmerung wünschten wir uns gegenseitig einen guten Morgen. Die Strecke zog sich wie ein Kaugummi und hinter jeder Kurve ein neuer, teilweise noch heftigerer Anstieg. Die Gänge gingen uns aus, keine Reserve mehr.
Nach der ein oder anderen Kurve konnten wir schon die Antennenspitze auf dem Gipfel sehen. Nach genauerem Hinsehen wurde mir klar, wirklich nur die Spitze. Der Untere Bereich lag in einem massiven, grauen Wolkenband. Das änderte sich nicht, je näher wir kamen. Als auch der Wind auffrischte, entschied ich mich, vor der letzten Spitzkehre wetterfeste Kleidung überzuziehen. Eine Chance, die sich Simon nicht entgehen ließ, um mich zu überholen. Mit wahrlich Mühe und Not versuchte ich, seinen Vorsprung wieder aufzuholen. Letztendlich war er aber zuerst am Fels des Brockens. Ein wohlverdienter Sieg für ihn!
Nach dem obligatorischen Finisher-Foto an der Brocken-Tafel hatten wir noch ein paar Minuten Zeit bis zum Sonnenaufgang um 5:38 Uhr. Um nicht noch nasser durch den windigen Nebel zu werden, verkrochen wir uns in die Schutzhütte, in der überraschenderweise schon etwa 10 Wanderer ausharrten. Das mitgebrachte (alkoholfreie) Bier wurde als Belohnung verzehrt und noch kurz ausgeruht. Beim Herunterfahren von der Anstrengung bemerkte ich, wie sich die Müdigkeit (ich war seit dem Vortag 6 Uhr wach) in mir breit machte. Bevor mein Körper ganz herunterfuhr, machten wir uns auf den Rückweg. Dadurch, dass um diese Zeit kaum ein Wanderer unterwegs war, konnten wir die freien Pisten mit einigen Geschwindigkeitsrekorden versehen. So kam auch Simon auf seine Kosten, der solche Abfahrten liebt.
Die letzten Kilometer durch das flachere Land zurück zum Auto waren etwas zäh, wurde aber auch mit Bravur bestanden. Mit weichen Knien hievten wir die Räder aufs Auto und machten uns zurück nach Magdeburg. Der instruierten Aufgabe für Simon, mich auf der Fahrt wach zu halten ist er vorbildlich nachgekommen, danke! Zurück zu Hause gab es dann ein tolles Frühstück, das meine Freundin bereits vorbereitet hatte, Danke auch dafür! Und jetzt müssen wir erstmal ein paar Stunden Schlaf nachholen ;)